4. Juli 2006, 21:45
posten
Obwohl in Italien seit April wieder die Mitte-Links-Allianz an der Regierung ist, stöhnt die linksorientierte Presse. Die Journalisten des traditionsreichen unabhängigen kommunistischen Blattes "Il Manifesto" warnen vor dem Bankrott. "Wir stecken in einer tiefen finanziellen Krise, die unsere Existenz gefährdet", so Gabriele Polo, Chefredakteur des vor 35 Jahren gegründeten Manifesto. Die Schulden des Parteiblatts kletterten zu Jahresbeginn auf 18 Millionen Euro. Hatte die Tageszeitung im Jahr 2005 noch täglich 29.000 Stück abgesetzt, so sank diese Zahl in den ersten Monaten des Jahres 2006 auf 26.000.

100 Arbeitsplätze gefährdet

"Wir müssen mindestens 30.000 Zeitungen am Tag verkaufen, um uns über Wasser zu halten", so Polo. Rund 100 Arbeitsplätze sind gefährdet. Die Tageszeitung erwägt, im Juli und August den Preis eines Exemplars einmal pro Woche von einem auf fünf Euro zu steigern, um die Notstandslage einzudämmen. Um die Kosten in Schranken zu halten, wird "Il Manifesto" auch den prestigereichen Sitz in der Via Tomacelli im Herzen von Rom verlassen müssen.

"Il Manifesto" spürt die zunehmende Konkurrenz anderer linksorientierter Tageszeitungen, wie "L'Unitá", Sprachrohr der Linksdemokraten, der stärksten Regierungspartei, und der "Liberazione", Parteiblatt der altkommunistischen "Rifondazione". "Die Krise hat auch politische und kulturelle Gründe, für die wir zumindest zum Teil mitverantwortlich sind", meinte Polo.

Parteiblätter in der Krise

Nicht nur "Il Manifesto" hat finanzielle Schwierigkeiten. Mehrere Parteiblätter stecken in der Krise. Diese ist vor allem dem Mangel an Werbung zuzuschreiben, da sich die Parteipresse allein auf staatliche Subventionen stützt, die nicht ausreichen, um die zunehmenden Kosten wettzumachen. Die finanzielle Notlage der Parteiblätter ist aber auch den Schwierigkeiten zuzuschreiben, mit denen sich die italienische Presse ganz allgemein wegen mangelnden Neuinvestitionen und dem Problem des Leserschwunds auseinander setzen muss. (APA)

Share if you care.