Schwedischer Journalist in Mogadischu erschossen

10. Juli 2006, 19:24
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Während einer von islamischen Milizen organisierten Demonstration - Zeuge spricht von "vorsätzlichem Mord"

Stockholm/Mogadischu - Bei einer Islamisten-Demonstration in der somalischen Hauptstadt Mogadischu ist ein schwedischer Journalist erschossen worden. Es handle sich um Martin Adler, "einen Fotografen und schwedischen Staatsbürger", sagte eine Sprecherin des schwedischen Außenministeriums am Freitag in Stockholm. Adler schrieb und fotografierte unter anderem für die Zeitung "Aftonbladet", wie das schwedische Boulevardblatt mitteilte.

Nach Angaben von Augenzeugen wurde dem Reporter aus nächster Nähe gezielt in die Brust geschossen, als er Demonstranten fotografierte. Islamistenchef Scheich Sharif Sheikh Ahmed verurteilte die Tat.

Adler sei ein preisgekrönter Fotograf gewesen, sagte Thomas Sundgren vom "Aftonbladet". Er sei für das Blatt in Somalia gewesen und habe Reportagen schicken sollen. "Wir sind natürlich sehr, sehr schockiert", sagte Sundgren.

"Vorsätzlicher Mord"

Der somalische Journalist Mohamed Amin sagte der Nachrichtenagentur AFP in Mogadischu, Adler sei auf der Stelle tot gewesen. Ein weiterer Augenzeuge sagte, der Täter habe dem Reporter gezielt in die Brust geschossen, nachdem dieser Fotos von Demonstranten aufgenommen habe. "Das war kein Unfall. Das war ein vorsätzlicher Mord von jemandem, der einen Journalisten töten wollte."

Während der Kundgebung verurteilte ein islamischer Geistlicher die Bluttat: "Das ist niemand von uns gewesen", sagte er. "Wir sind gegen die Tötung von Journalisten, die unsere Gäste sind." An dem Protest nahmen rund 4000 Menschen teil. Bei den Demonstranten handelte es sich um Unterstützer der Islamischen Gerichte, die seit Anfang Juni die Macht in Mogadischu für sich beanspruchen.

Vorsitzender der Islamischen Gerichte kündigt Stellungnahme an

Sheikh Ahmed sagte AFP, er verurteile die "barbarische" Tat. "Das ist barbarisch und wir werden die Verantwortlichen bestrafen", sagte der Vorsitzende der Islamischen Gerichte von Mogadischu. Der Islamistenchef kündigte an, am Samstag vor der Presse Stellung zu dem Vorfall zu nehmen.

Die Union der Islamischen Gerichte hatte Anfang Juni nach monatelangen Kämpfen die Kontrolle über den Großteil der somalischen Hauptstadt übernommen und die bisher herrschenden, von den USA unterstützten und rivalisierenden Warlords entmachtet. Auf der Demonstration wurden US- und äthiopische Flaggen verbrannt.

Abkommen

Am Donnerstag hatten die Islamisten und die somalische Übergangsregierung ein Abkommen zur Beendigung der Kämpfe unterzeichnet und sich darin die gegenseitige Anerkennung zugesichert. Die Islamisten genießen in der somalischen Bevölkerung wachsenden Zuspruch. In dem Land am Horn von Afrika herrschen seit dem Sturz des Diktators Mohamed Siad Barre 1991 Gewalt.

Zuletzt war in Mogadischu am 9. Februar 2005 eine ausländische Journalistin getötet worden: Die 39-jährige BBC-Reporterin Kate Peyton starb kurz nach ihrer Ankunft in der somalischen Hauptstadt. Zwischen 1993 und 1995 wurden neun ausländische Journalisten in Somalia getötet. (APA)

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    Die Proteste richteten sich gegen Äthiopien, dem die Demonstranten Einmischung in Somalias Angelegenheiten vorwarfen.

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    Kurz nachdem der schwedische Journalist angeschossen worden war, trafen Milizen der "Vereinigung der Islamischen Gerichte" ein.

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