Wut und Frust bei Allianz-Mitarbeitern

11. Juli 2006, 09:44
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Betriebsrat will Pläne über Reduzierung von 7.500 Jobs von Gutachtern prüfen lassen - Gewerkschaft plant Warnstreiks

München - Der Widerstand gegen den geplanten Abbau von 7.500 Stellen bei der deutschen Allianz wächst. Der Betriebsrat will die Pläne von externen Gutachtern unter die Lupe nehmen lassen. "Wir werden zwei renommierte Unternehmensberatungen damit beauftragen, zu überprüfen, ob es zu den Streichungen wirklich keine Alternativen gibt", sagte Gesamtbetriebsratschef Norbert Blix der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Außerdem sind Protestaktionen geplant. Zugleich kritisierte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers das Allianz-Management scharf.

Gesamtbetriebsratschef Blix sagte, der Allianz-Vorstand selbst habe Alternativlösungen zu dem massiven Stellenabbau erwogen. Der Betriebsrat versuche in den kommenden Monaten bei den gesetzlich vorgeschriebenen Beratungen, das Management von den Kürzungsplanungen abzubringen.

Stellenabbau trotz Milliardengewinns

Die Allianz hatte am Donnerstag angekündigt, trotz Milliardengewinnen 7.500 Stellen bei der Versicherung und der Tochter Dresdner Bank zu streichen. Am härtesten trifft es Köln, denn der Standort mit 1.297 Vollarbeitsplätzen soll voraussichtlich Anfang 2008 komplett geschlossen werden. Das gleiche Schicksal droht den Niederlassungen in Dortmund und Aachen. Der größte deutsche Versicherungskonzern hatte 2005 einen Rekordgewinn von 4,4 Mrd. Euro verbucht. Derzeit beschäftigt das Unternehmen in Deutschland rund 31.000 Mitarbeiter.

Die Gewerkschaft ver.di fordert eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2010 sowie Standortzusagen. Eine Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden sei eine Möglichkeit, um Stellenstreichungen zu verhindern, sagte ver.di-Versicherungsexperte Oliver Ostmann. Seinen Angaben zufolge sind von dem geplanten Jobabbau fast 9.000 Menschen bei Allianz und Dresdner Bank betroffen. Ostmann sagte, die Arbeitgeber weigerten sich im Moment, mit ver.di über Alternativen zu Stellenkürzungen zu verhandeln. Deshalb mache die Gewerkschaft Druck.

Ventil

Gesamtbetriebsratschef Blix sagte der "FAZ": "Streiks sind immer dann die ultima ratio, wenn wir den Eindruck haben, dass wir bei den Verhandlungen nicht mehr anders vorankommen." Viele Allianz-Mitarbeiter suchten "geradezu nach einem Ventil für ihre Wut". Ostmann sagte: "Die Stimmung ist hochexplosiv." Ver.di plant derzeit Aktionen für die kommende Woche. Wann und wo sie stattfinden, ist noch unklar.

Ministerpräsident Rüttgers übte heftige Kritik an den Plänen des Versicherungsriesen. "Mir ist unverständlich, wie der Konzern mit seinen Mitarbeitern umgeht", sagte der CDU-Politiker in Düsseldorf. Er forderte den Vorstand zu "ergebnisoffenen Gesprächen" über die Schließungspläne auf. Schließlich gehe es um das Schicksal vieler tausend Beschäftigter und ihrer Familien.

Unverständnis

"Ich frage mich, wenn man so mit seinen Mitarbeitern umgeht, wie man dann mit seinen Kunden umgeht", sagte Rüttgers. Die geplante Schließung der Standorte Köln, Dortmund und Aachen bezeichnete er als "unverständlich". Es sei nicht nachzuvollziehen, warum sich die Allianz so weitgehend aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland zurückziehen wolle. "Wo bleibt da die Kundennähe?", fragte der Ministerpräsident.

Bundeskanzlerin Angela Merkel plant keine Gespräche mit der Allianz-Geschäftsleitung, wie Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin sagte. Es sei aber möglich und auch üblich, dass große Unternehmen ihre Pläne zum Stellenabbau auf Arbeitsebene der Regierung zur Kenntnis brächten. (APA/AP)

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