Das Aus wäre "eine Katastrophe"

24. Juni 2006, 18:57
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Jetzt geht's für WM-Gastgeber Deutschland ans Eingemachte: Am Samstag gegen Schwe­den - Lagerbäck will alte Rechnung begleichen

München - Deutschlands Fußball-Team fieberte dem WM-Achtelfinal-Duell mit Schweden mit einer Portion Respekt, aber ohne jegliche Furcht entgegen. "Von Angst kann nach drei Siegen in Folge keine Rede sein", betonte Assistenztrainer Joachim Löw im Vorfeld der Partie, mit der am Samstagnachmittag (17 Uhr) in München die heiße K.o.-Phase beginnt - oder wie es der deutsche Kapitän Michael Ballack ausdrückte: "Jetzt geht's ans Eingemachte. Jeder Fehler kann das Aus bedeuten."

Laut Löw sind die Schweden ein unbequemer und richtig schwerer Gegner, der besonders mit Freistößen und Eckbällen brandgefährlich ist. "Ich denke, diese Mannschaft wird uns alles abverlangen", glaubt der 46-jährige ehemalige Tirol- und Austria-Trainer. Auch ein Blick auf die Bilanz weist die Skandinavier als unangenehmen Gegner für die Deutschen aus. Von 31 Begegnungen seit 1908 gewann die Schweden 13 und damit um eine mehr als das DFB-Team, die restlichen sechs Partien endeten Remis.

Kein Wunder also, dass Ballack nach dem 3:0 gegen Ecuador den nächsten Leistungsschub von sich und seinen Teamkollegen verlangte. "Wir müssen uns in dem Spiel weiter steigern", lautete die vehemente Forderung des 29-Jährigen. Sein Teamchef Jürgen Klinsmann forderte indes unmissverständlich den vierten Sieg.

"Wir dürfen nicht ausscheiden, wir sind eine Fußball-Nation. Da ist schon das Ausscheiden im Viertelfinale eine Katastrophe", sprach der 41-Jährige Klartext und warnte gleichzeitig seine Spieler. "Wir hatten es bisher noch nicht zu tun mit Kalibern wie Larsson, Ibrahimovic und Ljungberg. Da müssen wir unglaublich auf der Hut sein. Wir müssen alles verfeinern, was wir vorher im Groben gemacht haben."

Sein Widerpart Lars Lagerbäck glaubt dagegen, dass die Klinsmann-Elf genau wegen dieses fehlenden Fein-Tunings zu schlagen ist. Außerdem hat er noch eine alte Rechnung mit den Deutschen offen. Bei der Heim-EM 1992, als er bereits als einer der Co-Trainer der Schweden fungierte, schaltete das DFB-Team die Gastgeber mit einem 3:2-Sieg im Halbfinale in Stockholm aus.

"Das war alles andere als eine schöne Erfahrung, vor eigenem Publikum bei so einem sportlichen Großereignis zu verlieren. Deshalb wäre es wirklich toll, wenn wir ihnen das jetzt heimzahlen können", meinte Lagerbäck, der hofft, dass der Heimvorteil für die Deutschen zum Bumerang wird. "Natürlich ist der Heimvorteil eine schöne Sache, aber gleichzeitig kann es auch hart sein, zu Hause zu spielen und ständig dem Erwartungsdruck standhalten zu müssen. Dieser Heimvorteil könnte also zu unserem Vorteil werden."

Seine Spieler schlugen ähnliche Töne an. "Die Deutschen sind jetzt die Favoriten und müssen mit dieser Last fertig werden", betonte Schwedens Superstar Henrik Larsson. Für seinen Teamkollegen Andreas Isaksson war die Klinsmann-Truppe sogar der Wunschgegner fürs Achtelfinale. "Deutschland ist doch der perfekte Gegner für uns. Auf ihnen lastet der ganze Druck und ihre Abwehr hat Löcher", blickte der Tormann dem Duell zuversichtlich entgegen.

Schwedens Fußball-Legende Kurt Hamrin, 1958 bei der Heim-WM Torschütze beim triumphalen 3:1-Halbfinalsieg über die Deutschen, hofft dagegen auf die Torjäger-Qualitäten des wiedergenesenen Juventus-Superstars Zlatan Ibrahimovic. "Zlatan ist ein unberechenbarer Spieler, der Gegenspieler bindet und alles drehen könnte. Die Deutschen können sich nur schwer auf so einen einstellen", glaubt der 71-Jährige.

Und der schwedische UEFA-Präsident Lennart Johansson ist überzeugt: "Die Deutschen sind gut, aber nicht mehr so gut wie früher. Wir werden sie schlagen!" Sollte diese Prognose Realität werden, wäre es das schlechteste Endrunden-Abschneiden für die Deutschen seit 68 Jahren. Denn seit der 2:4-Niederlage gegen die Schweiz am 9. Juni 1938 in Paris im WM-Wiederholungsspiel der ersten Runde (erstes Duell endete 1:1 n.V./nur insgesamt 16 WM-Teilnehmer) hat die DFB-Mannschaft immer einen Rang unter den acht besten Teams erreicht.(APA/dpa/Reuters)

  • DEUTSCHLAND - SCHWEDEN (FIFA WM-Stadion München, 17:00 Uhr, SR: Carlos Simon/Brasilien)

    Deutschland: 1 Lehmann - 3 Friedrich, 17 Mertesacker, 21 Metzelder, 16 Lahm - 19 Schneider, 8 Frings, 13 Ballack, 7 Schweinsteiger - 11 Klose, 20 Podolski

    Schweden: 1 Isaksson - 7 Alexandersson, 3 Mellberg, 4 Lucic, 5 Edman - 21 Wilhelmsson, 16 Källström, 6 Linderoth, 9 Ljungberg - 10 Ibrahimovic, 11 Larsson

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      Jetzt geht's für Klinsmann um alles.

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