Franzobel-Aufführungen nur der Anfang

28. Juni 2006, 13:45
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Kohlebrecher in Wolfsegg soll Zentrum für zeitgeschichtliches Theater werden

Linz - Zwei Vorstellungen des mit zwei Nestroy-Preisen ausgezeichneten Franzobel-Erfolgsstücks "Hunt", das ab 27. Juli in der oberösterreichischen Gemeinde Wolfsegg (Bezirk Vöcklabruck) seine Wiederaufnahme feiert, sind bereits ausverkauft. Regisseur Georg Schmiedleitner und Produktionsleiter Chris Müller wollen den Aufführungsort Kohlebrecher bis nächstes Jahr in ein Zentrum für zeitgeschichtliches Theater verwandeln. In einer Pressekonferenz am Freitag in Geboltskirchen wurde die "Hunt"-Making-of-DVD präsentiert.

Schmiedleitner resümiert

"Wir haben eine fulminante Theaterexplosion geschaffen", so Schmiedleitner zum Überraschungserfolg, den man 2005 mit "Hunt" landete. Die diesjährigen Aufführungen des Stücks, das mit Karl Markovics in der Hauptrolle die Kämpfe zwischen Schutzbund und Heimwehr im Hausruck im Februar 1934 beleuchtet, werden sich von jenen des Vorjahres nur geringfügig unterscheiden. Es seien kleine Adaptierungen u.a. im Bereich der Infrastruktur und Technik sowie bei Nebenrollen und dem Chor vorgenommen worden, erklärte Schmiedleitner.

Er sah die Wiederaufnahme des Stücks "eine Zeit lang wirklich am Kippen". Das aufführende Theater im Hausruck hatte im vergangenen Jahr einen Abgang von 30.000 Euro hinnehmen müssen und suchte beim Förderer Land Oberösterreich für heuer um zusätzliche Mittel an. Seit Donnerstag gebe es eine Zusage seitens der Kulturabteilung über eine Abgangsdeckung in der Höhe von 9.000 Euro, die Gemeinde Wolfsegg steuere den selben Betrag bei, berichtete Müller.

Aufgreifen bewegender Themen

"Der Vorverkauf läuft unglaublich gut", sagte der Produktionsleiter. Das Publikum sei zwar zum Teil verunsichert gewesen, ob der Diskussionen der vergangenen Wochen um eine Wiederaufnahme, dennoch seien knapp zwei der insgesamt acht Vorstellungen ausverkauft. Für etwaige Zusatztermine sei man technisch gewappnet, betonte Müller.

Die Schaffung einer Stätte für politisches Theater in Wolfsegg bezeichnete er als "sehr realistisch und sehr wünschenswert". Das Team verwende im Sinne der Nachhaltigkeit - "Hunt" wurde als mit EU-Mitteln gefördertes Leader-Projekt gestartet - seine ganze Kraft darauf, Allianzen zu bilden. Schmiedleitner ortet jedenfalls einen "unglaublichen Bedarf" und will im Zusammenspiel mit verschiedenen Autoren und Schauspielern einen "scharfen politischen Blick auf die Zeitgeschichte werfen". Es gehe darum, Themen aufzugreifen, die die österreichische Bevölkerung bewegen. Bis Mitte Juli dieses Jahres soll sich die weitere Zukunft des Kohlebrechers entscheiden. (APA)

Making-of-DVD ab 27. Juli beim Theater im Hausruck
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