Schikanen gegenüber Sexarbeiterinnen in Frankreich

28. Juni 2006, 14:13
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Menschenrechtsgruppen prangern Verbot des "passiven Kundenfangs" an, das Missbrauch durch die Exekutive begünstigt

Paris - Mehrere französische Menschenrechtsorganisationen haben am Donnerstag Übergriffe von Polizei und Justiz gegen Prostituierte angeprangert. Gestützt auf die Ergebnisse einer einjährigen Untersuchung kritisieren die Liga für Menschenrechte (LDH), die Bewegung gegen Rassismus und für Völkerfreundschaft (Mrap) sowie Anwalts- und Richtergewerkschaften, dass sich die ohnehin schwierige Lage der Prostituierten seit dem Gesetz für die innere Sicherheit aus dem Jahr 2003 mit seiner Strafandrohung für so genannten "passiven Kundenfang" weiter verschlechtert hat.

In den Untergrund

In dem Bericht der von den Organisationen gebildeten Kommission heißt es, in Paris würden Prostituierte zunehmend in den Untergrund gedrängt, schikaniert und rassistisch beschimpft, während Zuhälternetzwerke kaum belangt würden. Die Kommission fordert in ihrem Bericht unter anderem die Abschaffung des Straftatbestands des "passiven Kundenfangs".

Die Gesetzesnovelle, die das grundsätzliche Prostitutionsverbot in Frankreich unterstreichen sollte, wurde 2003 eingeführt. Einer Sexarbeiterin, die dabei ertappt wird, wie sie "passiven Kundenfang" betreibt, drohen nunmehr zwei Monate Gefängnis und eine Geldstrafe von 3.750 Euro. Eine genaue Definition des "passiven Kundenfangs" gibt es jedoch nicht. AktivistInnen kritisieren, dass Kommissariate und Tribunale zu große Freiheit bei der Interpretation hätten.

Polizei weist Anschuldigungen zurück

Die Polizeigewerkschaft Alliance wies die Beschuldigungen zurück. Die Polizei verrichte ihre Arbeit im Rahmen des Gesetzes, sagte der Alliance-Vertreter Frédéric Lagache der Nachrichtenagentur AFP. (APA/AFP/red)

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