Felskopf über Gotthard-Autobahn gesprengt

26. Juni 2006, 13:26
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Aufräumarbeiten voraussichtlich bis Mittwoch - A2 noch mehrere Tage gesperrt

Gurtnellen - Rund 5.500 Kubikmeter Gestein über der Gotthard-Autobahn in der Schweiz sind am Freitag weggesprengt worden. Die Explosion mit 1,5 Tonnen Sprengstoff wurde bei gutem Wetter wie vorgesehen am Vormittag pünktlich ausgelöst und war durch eine riesige Staubwolke für die zahlreichen Schaulustigen sichtbar. Die Sprengung war notwendig geworden, nachdem Ende Mai ein riesiger Felsbrocken auf die Autobahn gestürzt war und zwei Menschen erschlagen hatte.

Nach ersten Einschätzungen von Experten verlief die Explosion nach Plan. Die Gotthard-Autobahn wurde offenbar nicht weiter beschädigt. Nach Angaben der Behörden müssen nun Sicherungs- und Aufräumarbeiten abgeschlossen werden, was etwa bis kommenden Mittwoch dauern werde. Die Behörden möchten die wichtigste europäische Nord-Süd-Verbindung vor Beginn der Ferienzeit wieder öffnen.

Weitere Felststürze möglich

Die Geologen und Sprengexperten hatten einen Felsabtrag von 5.500 Kubikmeter errechnet. Ob das ausreichen wird, die Gefahren durch abstürzende Felsen zu beseitigen, muss geprüft werden. Experten schließen nicht aus, dass es vor dem Hintergrund der Klimaveränderungen zu weiteren Felsstürzen kommen wird.

Bereits im Dezember 2002 waren zwischen Amsteg und Wassen bei einem Steinschlag auf der Autobahn drei Autos beschädigt worden. Im April 2003 durchschlug zwischen Gurtnellen und Wassen ein Felsbrocken eine Lawinengalerie. Im März vergangenen Jahres stürzten zwei je fünf Kubikmeter große Felsbrocken auf die Autobahn. Zwei Autofahrer blieben trotz eines Zusammenpralls unverletzt. Am 31. Mai schließlich starben ein 64-jähriger Mann und seine 60-jährige Ehefrau aus Deutschland, als bei Gurtnellen rund 10.000 Kubikmeter Gestein auf die Fahrbahn niedergingen. Danach kam es noch zu einem weiteren Felssturz.

Wichtigste Nord-Süd-Verbindung der Schweiz Die Autobahn A2 über den Gotthard ist die wichtigste Nord-Süd-Achse der Schweiz. Sie verbindet die Wirtschafts- und Siedlungsräume Nordwesteuropas mit jenen Italiens. Die Gotthard-Route absorbiert fast 80 Prozent des Straßentransitverkehrs der Schweiz.

Die Transitstrecke im Kanton Uri wird pro Tag von durchschnittlich 20.000, an Spitzentagen wie zur Ferienzeit sogar von 40.000 Fahrzeugen täglich benutzt. Ursprünglich war sie für den Pkw-Verkehr konzipiert, doch wählt auch der Schwerverkehr zunehmend den Weg über den Gotthard, um die Alpen zu überwinden.

Nadelöhr

Das Nadelöhr ist der am 5. September 1980 eröffnete Gotthard-Straßentunnel mit nur einer Spur pro Fahrtrichtung. Der 16.918 Meter lange Tunnel zwischen Göschenen und Airolo wird im Schnitt von rund 16.500 Fahrzeugen pro Tag befahren. Die bisher höchste Frequenz wurde am 28. Juli 2001 mit 41.333 Fahrzeugen verzeichnet. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 5,9 Millionen Fahrzeuge gezählt, im März 2001 das 100-millionste seit der Eröffnung.

Der schwärzeste Tag in der Geschichte des Gotthard-Tunnels war der 24. Oktober 2001, als nach dem Unfall eines Lastwagens eine Brandkatastrophe elf Menschleben kostete. Der Gotthard-Tunnel blieb danach bis Mitte Dezember 2001 gesperrt. Damals wie nach dem Felssturz vom 31. Mai dieses Jahres, bei dem zwei Pkw-Insassen starben, musste sich der Verkehr Ausweichrouten suchen. Vor allem auf der San-Bernardino-Route kam es daraufhin zu teilweise chaotischen Verhältnissen. (APA,ag./AP/dpa)

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