Haselsteiner setzt sich bei Züblin durch

7. Juli 2006, 11:57
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Der Konflikt zwischen dem Mehrheitsaktionär Strabag und dem Minderheitsaktionär Lenz beim deutschen Baukonzern Züblin geht weiter

Wien - Der Konflikt zwischen dem Mehrheitsaktionär Strabag und dem Minderheitsaktionär Lenz beim deutschen Baukonzern Züblin geht weiter: Bei der gestrigen Hauptversammlung der Ed. Züblin AG in Stuttgart wurde Lenz nicht mehr in den Aufsichtsrat entsandt. Stattdessen rückt Nematollah Farrokhnia, Mitglied des Vorstandes der Strabag SE in Wien für Eberhard Lenz in das Aufsichtsgremium. Die österreichische Strabag des Industriellen Hans Peter Haselsteiner hält 53 Prozent, die Aktionärsgruppe Lenz besitzt 43 Prozent der Aktien.

Vorstand und Aufsichtrat wurden mit Stimmenmehrheit entlastet. Hinsichtlich der Neuwahlen konnte sich der Vorschlag der Aktionärsgruppe Lenz nicht durchsetzen, die eine eigene Vorschlagliste mit Familienmitgliedern unter Ausschluss des Mehrheitsaktionärs eingebracht hatten, heißt es in einer Pressemitteilung der Züblin am Freitag.

Gegenüber der "Stuttgarter Zeitung" (Freitagausgabe) erläutert Haselsteiner sein Vorgehen: Von Hinauskomplimentieren des Minderheitsaktionärs könne keine Rede sein. "Herr Lenz hat sich durch seine Klage gegen die Gesellschaft, in der er Aufsichtsratsmitglied ist, selbst hinauskomplimentiert", so der Strabag-Boss. Eigentlich hätte er erwartet, dass Lenz mit der Einbringung der Klage zurücktrete. Das Verhalten von Lenz bezeichnet Haselsteiner als "Heuschreckenattitüde" - es gehe ihm mit der Klage nur um den Preis. Das Tagesgeschäft bei Züblin sei jedenfalls durch den Konflikt nicht berührt.

Bei der HV unterstützte Haselsteiner, Züblin-Aufsichtsratsvorsitzender und Vorstandsvorsitzender des Mehrheitsaktionär Strabag SE, den Antrag der Aktionärsgruppe Lenz auf Durchführung einer Sonderprüfung im Zusammenhang mit der Zusammenführung der Hoch- und Ingenieurbauaktivitäten von Strabag AG, Köln und Ed. Züblin AG, Stuttgart. Dafür seien allerdings keine der im Gesetz dafür definierten Bedingungen gegeben, und auch kein Misstrauen gegenüber dem Vorstand vorhanden. Enttäuscht zeigte sich Haselsteiner laut Aussendung darüber, dass die Aktionärsgruppe Lenz zu keinem Kompromiss hinsichtlich der Auswahl des Prüfers bereit war. Mit Stimmenmehrheit der Strabag SE wurde beschlossen, die Sonderprüfung durch Rechtsanwalt Dr. Thomas Liebscher von der Kanzlei Shearman & Sterling, Mannheim, durchführen zu lassen. Eine weitere Sonderprüfung hinsichtlich Geschäftsvorgängen aus dem Jahr 2001 wurde abgelehnt.

Jahresabschluss bestätigt

Der Jahresabschluss und der Konzernabschluss für das Geschäftsjahr 2005 wurde auf der Hauptversammlung bestätigt. Mit 1.551 Mio. Euro wurde die Vorjahresleistung um 8 Prozent übertroffen. 50 Prozent der Leistung wurde im Segment Ingenieur- und Spezialtiefbau erbracht, 40 Prozent im Segment Schlüsselfertigbau. Der Auslandsanteil lag im Jahr 2005 bei 32 Prozent. Der Auftragseingang des Unternehmens stieg gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent auf 1,8 Mrd. Euro. Während der Auftragseingang im Inland nur leicht zulegen konnte, betrug der Zuwachs im Ausland rund 80 Prozent. Entsprechend positiv entwickelte sich der Auftragsbestand, der am 31. Dezember 2005 mit 1,5 Mrd. Euro den Vorjahreswert um 19 Prozent übertraf. Die Zahl der Mitarbeiter lag am Jahresende bei 6.820. Der Betriebsgewinn (EBITA) des Konzerns stieg von 21 Mio. Euro im Jahr 2004 auf 61 Mio. Euro und der Jahresüberschuss betrug 28 Mio. Euro (Vorjahr: 4 Mio. Euro).

In der Ausschüttungsfrage kam der Mehrheitsaktionär Strabag SE der Aktionärsgruppe Lenz entgegen. Diese hatte einen Antrag gestellt, der vom Bilanzgewinn in Höhe von 2,9 Mio. Euro eine Ausschüttung von 880.000 Euro vorsieht. Ursprünglich sollte der Gesamtbetrag in der Gesellschaft verbleiben. Mit dem Entgegenkommen in der Beschlussfassung verbinde Haselsteiner die Hoffnung, dass im Interesse der Ed. Züblin AG wieder eine Basis für einen konstruktiven Dialog auf der Aktionärsseite geschaffen werden kann. Die unterschiedlichen Interessen dürften nicht zum Schaden des Unternehmens führen, heißt es in der Mitteilung. (APA)

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    Die österreichische Strabag des Industriellen Hans Peter Haselsteiner hält 53 Prozent, die Aktionärsgruppe Lenz besitzt 43 Prozent der Aktien.

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