Creutzfeldt-Jakob könnte noch nach Jahrzehnten ausbrechen

24. Juni 2006, 18:00
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Britische Forscher: Risiko einer Epidemie könnte deutlich höher sein als bisher angenommen

London - Die dem Rinderwahn ähnliche neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (nvCJK) kann möglicherweise noch Jahrzehnte nach der Infektion ausbrechen. Es sei zu befürchten, dass Menschen sogar noch mehr als 50 Jahre nach der unbemerkten Ansteckung erkranken und sterben könnten, heißt es in einer Studie von Wissenschaftern des Londoner University College, die in der am Samstag erscheinenden Ausgabe der Medizinerzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wird.

Die Forscher stützen sich dabei auf Erfahrungen mit der ähnlichen Krankheit Kuru, die durch Kannibalismus auf Papua-Neuguinea übertragen wurde. Das Risiko einer Creutzfeldt-Jakob-Epidemie könne damit deutlich höher sein als bisher angenommen.

Untersuchungen

Bei seinen Forschungen untersuchte der Wissenschafter John Collinge mit seinem Team mehrere Fälle der Kuru-Krankheit aus den vergangenen Jahren, die ebenso wie vnCJK durch so genannte Prionen übertragen wird. Anders als Creutzfeldt-Jakob wird die Krankheit aber nicht durch den Verzehr von BSE-verseuchtem Rind ausgelöst, sondern durch den rituellen Verzehr des Fleisches Verstorbener beim Stamm der Fore in Papua-Neuguinea. Die Kannibalismus-Riten waren in den 50er Jahren verboten worden.

Zwischen 1957 und 2004 traten über 2.700 Kuru-Fälle auf, wie die Forscher schreiben - obwohl die Menschen in Papua-Neuguinea gar kein Menschenfleisch mehr aßen. Die Wissenschafter fanden elf Kuru-Fälle, die erst zwischen Juli 1996 und Juni 2004 bei Menschen auftraten, die noch vor Ende der Kannibalismus-Riten geboren wurden. "Die Mindest-Inkubationszeit reicht von 34 bis 41 Jahren", heißt es in der Studie. Wahrscheinlich sei eine maximale Dauer zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit von 56 Jahren oder mehr.

Schlussfolgerungen

Damit blieben auch die Ausmaße von Creutzfeldt-Jakob "ungewiss" und würden wahrscheinlich noch unterschätzt. Der Glaube, dass die Zahl neuer Fälle "einen Höhepunkt überschritten hat und wir das Schlimmste bei dieser erschreckenden Krankheit hinter uns haben, muss nun mit äußerster Skepsis betrachtet werden", warnten die Forscher. In Großbritannien sind bisher 161 Fälle der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit aufgetreten, bei der das Gehirn nach und nach wie ein Schwamm durchlöchert wird. Nur fünf der Erkrankten waren Anfang Juni noch am Leben. (APA)

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