Kämpfe und strikte Ausgangssperre in Bagdad

25. Juni 2006, 12:47
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Mehr als 20 Tote bei Anschlägen - Racheakt wegen Zarqawi-Tod befürchtet - Bombenexplosion vor sunnitischer Moschee

Bagdad - Nach neuen schweren Kämpfen in Bagdad hat die irakische Regierung am Freitag eine Ausgangssperre über die Hauptstadt verhängt. Demnach durften von 14.00 Uhr bis 06.00 Uhr (Ortszeit) am Samstag weder Fußgänger noch Autos auf den Straßen unterwegs sein. Die Sperre wurde aber wenige Stunden später wieder aufgehoben.

Zuvor waren in der früheren sunnitischen Rebellen-Hochburg entlang der Haifa-Straße im Zentrum Bagdads Kämpfe zwischen Sicherheitskräften und Aufständischen entbrannt.

Dabei seien drei Polizisten und fünf irakische Soldaten verletzt worden, hieß es in Kreisen des Innenministeriums. Auch US-Soldaten waren offenbar zur Unterstützung herbei geeilt. In anderen Landesteilen kam es ebenfalls zu Anschlägen, bei denen mindestens 20 Menschen starben.

Al-Sadr-Milizen an Kämpfen beteiligt

In die Kämpfe in Bagdad waren nach offiziellen Angaben Milizen des radikalen Schiiten-Predigers Moktada al-Sadr beteiligt. Es wurden auch Wurfgranaten eingesetzt. Die Haifa-Straße war eine frühere Rebellenhochburg, die im vergangenen Jahr von US-Truppen bei einem Großeinsatz gestürmt wurde. Seither kommt es dort aber immer wieder zu Gefechten rivalisierender Rebellen der Schiiten und Sunniten. Sadr hat bereits zwei Aufstände gegen die Besatzungstruppen und die irakischen Streitkräfte angeführt. Einige seiner Anhänger sind auch Mitglieder der regierenden Schiiten-Allianz.

Der Grund für die Ausgangssperre blieb am Freitag unklar. In der Hauptstadt besteht bereits von 11.00 Uhr bis 15.00 Uhr ein Fahrverbot. Berichte über die Verhängung eines Ausnahmezustands angesichts der Gewalteskalation dementierte die Regierung umgehend. Der neue Ministerpräsident Nuri al-Maliki hatte ein energisches Vorgehen gegen Extremisten im ganzen Land angekündigt und mehrere Groß-Einsätze gegen Rebellen angeordnet. In den vergangenen Monaten hat die Al-Kaida wiederholt Anschläge auf Moscheen verübt, die insbesondere zu den Freitagsgebeten voll besetzt sind. Zuletzt kündigte die Organisation Vergeltungsschläge für den Tod ihres Chefs im Irak, Abu Musab al-Zarqawi, bei einem US-Luftangriff vor zwei Wochen an.

Bombenexplosion vor sunnitischer Moschee

In anderen Teilen des Golfstaates starben am Freitag zahlreiche Menschen bei neuer Gewalt: In Basra im Süd-Irak wurden bei einem Autobombenanschlag an einer Tankstelle nach Polizeiangaben mindestens zehn Menschen getötet. Maliki hat im vergangenen Monat den Ausnahmezustand über die Stadt verhängt, um die zunehmende Gewalt dort in den Griff zu bekommen. Nördlich von Bagdad kamen ebenfalls mindestens zehn Menschen ums Leben, als eine in einer Tasche deponierte Bombe vor einer sunnitischen Moschee explodierte. Der Anschlag ereignete sich in Hibhib und damit in demselben Ort, wo Zarqawi am 7. Juni getötet worden war.

Die beinahe täglich stattfindenden Anschläge im Irak haben das Land an den Rande eines Bürgerkriegs gebracht. Auch US-Präsident George W. Bush steht angesichts von mehr als 2500 getöteten US-Soldaten zunehmend unter Druck, die Truppen aus dem Golfstaat so schnell wie möglich noch in diesem Jahr abzuziehen. Entsprechende Anträge der Demokraten wies der von Bushs Republikanern geführte US-Senat am Donnerstag aber zurück. Die Opposition hatte gefordert, noch in diesem Jahr mit dem Abzug der 127.000 US-Soldaten zu beginnen und ihn bis Mitte 2007 abzuschließen. (APA/Reuters/Red)

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    Von Freitag 14.00 Uhr bis 06.00 Uhr am Samstag sollen auf den Straßen Bagdads weder Autos noch Fußgänger unterwegs sein.

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