Breton will schnelle Lösung der EADS-Krise

7. Juli 2006, 11:39
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Manager unter Druck - Abschaffung der deutsch-französischen Doppelspitze? - Boeing möchte mit neuem Jumbojet Nutzen aus dem Airbus-Problemen ziehen

Paris - Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Thierry Breton ist entschlossen, "in 72 Stunden" einen Weg aus der Krise des EADS-Konzerns wegen der Airbus-Verzögerungen zu finden. "Das ist ein entscheidendes Wochenende für die Zukunft der Gruppe", sagte ein Sprecher des Ministeriums am Samstag in Paris. Breton führe das gesamte Wochenende über umfassende deutsch-französische Konsultationen in der Sache. Der Mutterkonzern von Airbus lotet neue Führungsstrukturen für die Gruppe aus, nachdem die Lieferprobleme beim neuen Großraumflugzeug A380 auch zu Berichten über umstrittene Aktienverkäufe des Co-Chefs Noël Forgeard geführt hatten.

Medienberichten zufolge wird eine Abschaffung der bisherigen EADS-Doppelspitze erwogen. Davon profitieren könnte der bisherige deutsche Co-Chef Thomas Enders. Forgeard muss sich kommenden Mittwoch den kritischen Fragen französischer Parlamentarier stellen. Bisher sind alle Führungsposten in Vorstand und Aufsichtsrat je mit einem Franzosen und einem Deutschen besetzt. Nun soll möglicherweise ein Franzose Aufsichtsratschef werden. Der deutsche Autobauer DaimlerChrysler hält 22,5 Prozent an EADS, der französische Staat und der Medienkonzern Lagardere halten zusammen ebenfalls 22,5 Prozent.

Wegen der verspäteten Auslieferung des A380 ist nach Forgeard auch Airbus-Verkaufschef John Leahy unter Druck geraten. Der gebürtige New Yorker habe noch vor wenigen Monaten Kunden immer neue Extrawünsche bei der Ausstattung bewilligt, obwohl die Festschreibung der Flugzeugkonfiguration und der benötigten Teile längst erfolgt war, berichtet das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Die Konstrukteure der Elektriksparte hätten daraufhin die Neuentwicklung und Produktion zusätzlicher Kabelbäume vornehmen oder in Auftrag geben müssen, die teilweise eine Lieferzeit von mehreren Monaten haben. Airbus und EADS wollten dazu nicht Stellung nehmen. Leahy betonte, die Kunden hätten ihre Wünsche alle rechtzeitig vor Produktionsbeginn angemeldet.

Lieferverzögerungen

Die Lieferverzögerungen beim A380 sorgen weiter für Ärger bei wichtigen Kunden. Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet, ist es fraglich, ob Erstkunde Singapore Airlines (SIA) den Super-Jumbo noch Ende 2006 in Betrieb nehmen kann. SIA-Manager Peter Tomasch sagte: "Das wird knapp." Da Airbus nicht wie geplant liefern könne, müssen laut "Focus" bei SIA Maschinen vom Typ Boeing 747-400 länger fliegen. SIA müsse dafür die Leasingverträge neu verhandeln. Auch der Flugplan gerate durcheinander. Wie die A380-Kunden Emirates und Qantas fordere Singapore Airlines Schadenersatz. Airbus soll für zusätzliche Leasinggebühren und entgangenes Geschäft zahlen.

Der amerikanische Flugzeughersteller Boeing will von den Problemen bei Airbus profitieren und bietet laut "Wirtschaftswoche" eine weitere Neuauflage seines Jumbojets an. Wie die Zeitung in ihrem Online-Dienst wiwo.de unter Berufung auf Einkaufsmanager führender Fluglinien berichtet, offeriert Boeing sein 747-8I genanntes Top-Modell nun auch in einer nochmals verlängerten Version. Diese ist im Vergleich zur bisher angebotenen Fassung rund anderthalb Meter länger und bietet bis zu 470 Sitze, und damit 20 mehr als bisher.

Die neue Fassung des Boeing-Jumbos stoße auf eine deutlich größere Resonanz als die bisherigen Ableger. Wer die Maschine heute bestelle, erhalte sie auch eher als einen A380. Boeing werbe damit, dass die 747-8I billiger sei als der A380 und besser in die heutige Infrastruktur an den Flughäfen passe als der europäische Konkurrent. "Da könnten einige Fluglinien schwach werden", sagte Steven Udvar- Hazy, Chef der weltgrößten Flugzeug-Leasingfirma ILFC, die in der vergangenen Woche als erster Großkunde gedroht hatte, ihre A380- Bestellungen abzusagen. (APA/dpa)

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