Hiddink von Bauch getäuscht

23. Juni 2006, 11:57
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Tormann-Rochade Schwarzer-Kalac brach­te die Australier gegen Kroatien in Bedrängnis -Kewell: "Wichtigstes Tor meiner Karriere"

Stuttgart - Zwischen der 56. und der 79. Minute der Fußball-WM-Partie Australien - Kroatien hat Guus Hiddink wohl verflucht, auf seinen Bauch und nicht auf sein Hirn gehört zu haben. In der Nacht vor dem Donnerstag-Match in Stuttgart war im australischen Teamchef die überraschende Entscheidung gereift, den Einser-Goalie Mark Schwarzer durch Zeljko Kalac zu ersetzen. Dieser kassierte prompt ein "Steirertor" durch den Neo-Salzburger Niko Kovac, erst Harry Kewell machte 23 Minuten später mit seinem Treffer zum 2:2 den historischen Achtelfinal-Einzug der "Socceroos" perfekt.

Nach dem Happy-End für die Australier gab der Niederländer zu, falsch gelegen zu sein. "Kalac war nicht konzentriert genug für ein Spiel auf diesem hohen Niveau. Sein Fehler wäre uns fast teuer zu stehen gekommen", erklärte Hiddink und ließ anklingen, dass in der Achtelfinal-Partie am Montag gegen Italien wieder Schwarzer zwischen den Pfosten stehen wird.

Kalac selbst war nach dem Schlusspfiff weit mehr über den Ausgleich erleichtert als über seinen drohenden Stammplatz-Verlust betrübt. "Als ich dieses Tor bekommen habe, dachte ich nur 'Oh nein, bitte lass uns nicht auf diese Weise ausscheiden.' Gott sei Dank hat Kewell noch den Ausgleich geschafft, das hätte mich sonst mein ganzes Leben lang verfolgt", sagte der Keeper mit kroatischen Wurzeln.

"Man of the Match" Harry Kewell sprach vom wichtigsten Tor seiner Karriere. "Viele Leute haben mich kritisiert, aber die kennen mich nicht. Diese Nacht war ein großer Höhepunkt meiner Karriere", jubelte der Offensiv-Spieler von Liverpool, der in den vergangenen Jahren immer wieder von Verletzungen geplagt wurde und deswegen auch den denkwürdigen Champions-League-Triumph der "Reds" im Vorjahr verpasst hatte. "Dieses Spiel heute entschädigt etwas dafür."

Auch im Vorfeld der WM hatte Kewell mit einer Leistenverletzung zu kämpfen. "Er ist noch immer nicht top-fit. Aber um besondere Spiele zu gewinnen, benötigt man besondere Spieler. Harry war heute jener Mann, der den Unterschied gemacht hat", sagte Hiddink, der seine Schützlinge in höchsten Tönen lobte "Diese Mannschaft hat ein Herz wie ein Löwe. Sie gibt niemals auf, egal was passiert."

Beim goldenen Tor durch Kewell hatten die "Socceroos" allerdings Glück, dass Kewells Abseitsposition nicht erkannt wurde. Dafür wurden den Australiern vom äußerst schwachen englischen Schiedsrichter Graham Poll, der nach den Ausschlüssen von Simic und Emerton den Kroaten Josip Simunic erst nach der dritten Verwarnung mit Gelb-Rot vom Platz stellte, zuvor auch zwei klare Elfmeter vorenthalten.

Einen (gerechtfertigten) Strafstoß nach Handspiel von Stjepan Tomas im Sechzehner sprach Poll dem Ozeanien-Team aber zu, und diese Entscheidung wurde vom kroatischen Teamchef Zlatko Kranjcar ebenso kritisiert wie das gegebene Tor von Kewell. "Ein Treffer war vielleicht Abseits, ein Elfer möglicherweise kein Handspiel. Doch ich will die Schiedsrichter-Leistung nicht kommentieren", betonte der frühere Rapidler.

Der Coach kritisierte die defensive Einstellung seiner Spieler nach der frühen 1:0-Führung. "Sie haben sich zurückgezogen, obwohl ich ihnen anderes aufgetragen habe. Wir haben zu früh aufgehört, Fußball zu spielen." Seine Mannschaft habe den Aufstieg aber schon durch das 0:0 gegen Japan liegen gelassen. "Heute haben wir alles gegeben, was wir konnten. Es war ein dramatisches und dynamisches Match, wir haben eben unsere Chancen nicht genützt und müssen jetzt wieder nach vorne schauen." (APA)

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    Kalac hat das Nachsehen.

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