Der Bär und die Kohle

21. Juli 2006, 16:13
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Bär "Bruno" lässt nicht nur Hunde und Reporter hecheln: Auch die Kassen geschäftstüchtiger Unternehmer klingeln

München/Innsbruck – Der Bär ist über alle Berge. Freitag am späten Nachmittag gab es keine frische Spur von ihm. Die in Österreich verbliebenen finnischen Jäger warteten auf eine neue Sichtung.

Enormes Medieninteresse

Während Bär „Bruno“ alias „JJ1“ weiterhin putzmunter vor seinen Fahndern flüchtet, ist das mediale Interesse enorm: Für eine Pressekonferenz am Samstag haben sich auch CNN und NBC angekündigt, sagte ein Sprecher der Tiroler Landesregierung. Vor einigen Tagen schrieben die New York Times einen langen Artikel über „Herr Bruno“.

Gratis-Werbung

Diese Berichterstattung liefert gratis ein Bild der Region in die Welt: „Ich glaube nicht, dass Bär „Bruno“ das Image von Tirol als Tourismusland langfristig prägen wird“, sagt Fabienne Edenhauser-Riede, Pressesprecherin von Tirol Tourismus. Manfred Furtner, Landesvorsitzender der österreichischen Hoteliervereinigung sieht die Causa durchaus positiv. „Es ist eine Gratis-Werbung für uns“, freut sich der Hotelbesitzer. Weder die Belegschaft noch die Gäste würden sich vor „Bruno“ fürchten. Bisher sei es – laut Furtner – in Tiroler Hotels auch noch zu keinen Stornierungen gekommen.

„Es ist nicht so, dass uns die Leute jetzt die Türe einrennen, weil sie wissen wollen, was mit dem Bären ist“, sagt Miriam Modlich, Leiterin der Tourismusinformation im bayerischen Kochl am See. Dort ist der Tatzentourist vor Tagen durchmarschiert.

"I love Bruno"

Eine kleine Werbeagentur im Oberammergau – Bruno hat auch dort schon gewütet – hat T-Shirts zum „Hype“ entworfen. „I love Bruno“, steht auf einem der Leiberl. Dass der Bär durch diese Sympathiebekundungen verniedlicht wird, will die Agentur nicht gelten lassen. So gefährlich, wie alle sagen, sei „Bruno“ nicht. Immerhin: Ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf soll der WWF erhalten – so wie es Freitag Nachmittag aussah, sollen es ein ganzer Cent pro Shirt werden. Die Bärenhatz kostet ja eine Menge: Von bis zu 100.000 Euro war schon die Rede, den so genannten Löwenanteil trägt der WWF. (Julian Ausserhofer, DER STANDARD Printausgabe, 24./25.06.2006)

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