Umfrage: 78 Prozent "stolz" auf EU-Vorsitz

26. Juni 2006, 17:41
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1.207 Personen im Alter von 17 bis 76 Jahren wurden interviewt - 74,6 Prozent glauben, dass Schüssel Vorteile für Wahlkampf zieht

Wien - "Wir waren EU-Präsidentschaft. Darauf bin ich stolz". Zu diesem Resümee kommen eine Woche vor dem Ablauf des heimischen Ratsvorsitzes in der Europäischen Union immerhin "stolze" 78 Prozent der Österreicher - 25 Prozent sogar "sehr", 53 Prozent immerhin noch "ein wenig". Das Verdienst dafür wird in erster Linie Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zugeschrieben: In noch höherem Ausmaß, nämlich zu über 74 Prozent, fanden die Befragten, dass Schüssel seine Aufgabe als EU-Ratspräsident "sehr staatsmännisch und souverän" bewältigt hat - 50 Prozent absolut, 24,4 zurückhaltend, aber doch. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Oekonsult, die der APA exklusiv vorliegt.

Gute Noten für Performance

Wenn das heimische Begeisterungspotenzial sich schon bei der Fußballweltmeisterschaft mangels Eigenpräsenz andere Bezugspunkte suchen muss - die Performance Österreichs auf dem glatten EU-Parkett während der vergangenen sechs Monate finden Herr und Frau Österreicher durchaus respektabel. Nach Schulnoten befragt, bewerteten 26,1 Prozent sie mit einem glatten "Sehr gut", 40 Prozent vergaben ein "Gut" und weitere 22,6 immerhin noch ein "Befriedigend". Den "Notendurchschnitt" von 2,2 komplettieren jene 4,2 Prozent, die ein "Genügend" vergaben - und letztlich nur 0,2 Prozent fanden die Leistung der Regierung "Nicht Genügend".

Atmosphärischer Bereich

Die Motivation für die hohe Zustimmung liegen dabei weniger im Handfesten als im atmosphärischen Bereich. So scheiden sich die Geister bei der Beurteilung des Arbeitspensums des österreichischen Ratsvorsitzes doch deutlich: Während 46 Prozent im Großen und Ganzen der Meinung sind, "Beachtliches" sei angegangen und erledigt worden, widerspricht mit 50,5 Prozent die knappe Mehrheit dieser Auffassung. Dafür freut man sich darüber, dass wenig schief gegangen ist: Die Aussage, dass die österreichische EU-Ratspräsidentschaft "sehr stark von Pleiten, Pech und Pannen begleitet" gewesen sei, widersprechen deutliche 60 Prozent. Und das unter heimischem Vorsitz auch "heiße Eisen" angegangen worden sind, bejahen im Großen und Ganzen ebenfalls knapp über 60 Prozent.

Bild verändert

Daraus ergibt sich für die Befragten folgerichtig, dass sich durch die vergangenen sechs Monate "das Bild und die Rolle Österreichs in Europa und in der restlichen Welt sehr deutlich verändert" hat - zumindest stimmen mit 71 Prozent fast drei Viertel dieser Bewertung zu. Was nach Ansicht einer deutlichen Mehrheit auch positive Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft im Allgemeinen (62 Prozent) und die Tourismusbranche im Besonderen (73,4 Prozent) zeitigen wird - und letztendlich sogar dazu führt, dass die diesbezüglich bekannt skeptischen Österreicher zu insgesamt 63 Prozent geneigt sind, die Kosten-Nutzen-Relation der EU-Präsidentschaft insgesamt positiv zu bewerten.

Auch Opposition profitiert

Von dieser positiven Grundstimmung der 1.207 Personen im Alter von 17 bis 76 Jahren, die von Oekonsult zwischen 16. und 22. Juni in Straßenbefragungen interviewt wurden, profitieren aber auch die Oppositionsparteien: 57 Prozent der Befragten meinen, es sei ihnen "sehr positiv anzurechnen, dass sie sich mit Kritik an unserer EU-Vorsitzführung zumeist sehr diszipliniert zurückgehalten haben".

BZÖ wurde nicht erkannt

Nüchtern bewertet wird dagegen die Performance der kleineren Regierungspartei: Dass das BZÖ der österreichischen EU-Präsidentschaft eine eigenständige politische Handschrift verpassen konnte, finden gerade 13,4 Prozent, nichts dergleichen erkennen konnten 85,6 Prozent.

Vorteile für Wahlkampf

Was, insgesamt gesehen, nach Ansicht eines Gutteils der Befragten auch seinen Niederschlag in der Kausalkette der nächsten Monate finden wird: Mit dem überwältigenden Anteil von 74,6 Prozent sind die Befragten der Überzeugung, dass die ÖVP unter Schüssel aus der EU-Ratspräsidentschaft Vorteile im Nationalratswahlkampf ziehen wird. (APA)

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