Emirates Airlines ohne Interesse an Allianzen, keine AUA-Beteiligung

7. Juli 2006, 11:39
3 Postings

Von hohen Treibstoffpreisen stark getroffen - "Beziehen Kerosin zu Weltmarktpreisen"

Wien - Die in Dubai beheimatete Emirates Airlines hat entgegen dem Branchentrend kein Interesse an Luftfahrtallianzen. Auch Beteiligungen an anderen Fluggesellschaften machen vor diesem Hintergrund keinen Sinn, erklärte der Österreich-Direktor der Airline Martin Gross im Interview. Vor Wochen hatten Medien über einen möglichen Einstieg von Emirates bei der Austrian Airlines-Gruppe spekuliert. "Wir haben nicht einmal Interesse an formalen Allianzen, so etwas würde für uns keinen Sinn machen", unterstrich Gross.

Allianzpartner müssten sich untereinander abstimmen und Interessen koordinieren, so Gross. Und wirtschaftlich bestehe mit Cash-Reserven in der Größenordnung von drei Milliarden Dollar (2,4 Mrd. Euro) keine Notwendigkeit für ein engeres Zusammenrücken. Emirates würden daher lokale Kooperationen einer fixen Allianz vorziehen. Kürzlich haben AUA und Emirates eine Zusammenarbeit im Frachtbereich auf der Strecke Wien-Dubai beschlossen.

Steigende Treibstoffpreise

Gross relativiert die Ansicht, wonach eine staatliche Fluglinie mit Sitz in Dubai (Vereinte Arabische Emirate) über Geld verfüge wie Heu. Vielmehr sei Emirates von der Erhöhung der Treibstoffpreise betroffen wie alle anderen Airlines. "Wir sind bei den ersten Gesellschaften, die den Treibstoffzuschlag anpassen", sagte Gross. Aktuell machen die Treibstoffkosten 27,2 Prozent der Gesamtkosten aus, "das ist mit Abstand der größte Einzelfaktor". Emirates verrechnet Treibstoffzuschläge von 60 Euro je Strecke, per Anfang Juli wird auch die Strecke Dubai-Wien auf diesen Wert angehoben. Mit den Treibstoffzuschlägen könne Emirates etwa 41 Prozent der Mehrkosten wettmachen. Die restlichen 59 Prozent gingen zu Lasten des Gewinns.

Der Unternehmenssitz im Emirat Dubai - dem bevölkerungsreichsten der sieben Emirate, die zusammen die Vereinten Arabischen Emirate (VAE) bilden - bedeute keinen wesentlichen Vorteil angesichts der hohen Treibstoffpreise. "Wir haben keine Begünstigungen, wir beziehen unseren Treibstoff zu Weltmarktpreisen", betont Gross. Zudem erwirtschafte das Emirat nur rund fünfProzent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus Erdöl, der Löwenanteil komme aus anderen Quellen wie Tourismus oder Handel.

Treibstoffhedging

Freilich: Auf Grund ihrer starken finanziellen Situation ist Emirates in der Lage, sich an den Finanzmärkten über Termingeschäfte (so genanntes "Hedging") gegen stark steigende Treibstoffpreise abzusichern. Die AUA kann sich nach eigenen Angaben solches Treibstoffhedging derzeit nicht leisten.

Naher Osten stark gefragt

Generell ortet Gross einen Reiseboom in den Nahen Osten, von dem alle Marktteilnehmer profitieren. "Wir wollen niemanden verdrängen. Der Gesamtkuchen ist stark gewachsen für alle", meint er mit Blick auf Qatar Airways und Etihad, andere ebenfalls stark wachsende Airlines aus der Region. Dabei handle es sich aber um junge Fluglinien (Qatar wurde 1997, Etihad erst 2003 gegründet), während Emirates schon seit gut 20 Jahren (Erstflug Oktober 1985) am Markt sind.

Das Verhältnis der Buchungen aus Dubai und aus Österreich ist weitgehend ausgewogen, übers Gesamtjahr gibt es einen leichten Österreich-Überhang. Das Geschäft ist aber stark saisonal: Im Winter suchen mehr Gäste aus Europa die arabische Sonne, während im Sommer immer mehr Araber ins vergleichsweise "kühlere" Europa reisen. Generell erfolgten die Buchungen immer kurzfristiger.

Einen wichtigen Akzent setzt Emirates mit verstärkten Sponsoring-Aktivitäten, etwa auch im Rahmen der laufenden Fußball-WM in Deutschland, wo Emirates einer der offiziellen Sponsoren ist. Ziel ist die Schaffung einer weltweiten Markenbewusstseins für die Marke ("global brand awareness"). Insgesamt hat man sich die Sponsorenrechte beim Weltfußballverband FIFA bis 2014 rund 195 Millionen Dollar kosten lassen - einschließlich der Fußball-WM 2010 und 2014. Außer Fußball werden noch Pferdesport, Golf, Segeln, Cricket oder Rugby gesponsert. (APA)

Share if you care.