Harter Schnitt

20. Oktober 2006, 11:33
posten

Europas Weinproduktion muss auf ein Maß zurückgestutzt werden, das keine Notmaßnahmen mehr erforderlich macht. Ein Kommentar von Johanna Ruzicka

Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel hat das einzig Richtige getan: Europas Weinproduktion muss auf ein Maß zurückgestutzt werden, das keine Notmaßnahmen mehr erforderlich macht. Die Destillierung von überschüssigem Wein zu Industriealkohol muss sich aufhören.

Denn diese Überschussverwertung kostet Geld, und zwar nicht zu knapp: Rund 500 Millionen Euro aus dem EU-Budget mussten jährlich dafür aufgewendet werden.

Diese Mittel aus den landwirtschaftlichen Fördertöpfen der EU sind anderswo effizienter auszugeben: Der europäische Wein muss auf dem Weltmarkt stärker vermarktet werden, um nicht gegen aufstrebende Weinnationen wie Chile, Australien oder Südafrika ins Hintertreffen zu geraten. Denn diese "jungen Wilden"reüssieren gerade auf dem großen Abnehmermarkt USA, wo - derzeit noch - gern zu europäischen Weinen gegriffen wird. Dass die Situation auf den Weltmärkten brenzlig ist, zeigt sich dadurch, dass die europäischen Weinexporte bereits seit Längerem stagnieren. Auch müssen die hoffnungsvollen neuen Abnehmerländer - vor allem Russland und asiatische Schwellenländer - mit Werbung und Marketingaktionen von der Qualität des europäischen Weines überzeugt werden.

Länder wie Österreich können von einer zurückgestutzten europäischen Weinproduktion nur profitieren. Schließlich hat Österreich eine ausgeglichene interne Bilanz und hohe Ambitionen, was die Exporte betrifft. Dass unsere Ausfuhren nach Europa trotz EU-Weinschwemme zuletzt jährlich zulegen konnten, darf als Kompliment für die heimischen Tropfen gewertet werden. Die Wettbewerbsposition der Winzer kann sich nach Beendigung der Weinschwemme nur verbessern - und die zu erzielenden Preise auch. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD - Printausgabe, 23. Juni 2006)

Share if you care.