Leasingjob statt geschützter Werkstätte

26. Juni 2006, 13:15
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Scheu vieler Unternehmen, behinderte Menschen einzustellen, zwingt die Betroffenen oft in "geschützte Werkstätten"

Altenfelden - Menschen mit Beeinträchtigung bleibt der freie Arbeitsmarkt zumeist versperrt. Die Scheu vieler Unternehmen, behinderte Menschen einzustellen, zwingt die Betroffenen oft in "geschützte Werkstätten" mit einem zumeist monotonen Beschäftigungsprogramm. Dieser Problematik hat sich jetzt der oberösterreichische Verein Artegra mit Sitz in Altenfelden angenommen und erstmals ein Leasing-Modell für Behinderte geschaffen.

Integration am Traktor

Seit März 2006 stehen vier Artegra-Mitarbeiter als "Leih-Arbeiter"zur Verfügung. Und das Angebot wird dankend angenommen. Neben dem Lagerhaus in Molln und einer Metallfirma in Nebelberg beschäftigt auch die Stadt Rohrbach einen Leihmitarbeiter.

Gelebte Integration

Christian (32) ist Gärtner und demnach vor allem für das städtische Grün zuständig. "Das ist wirklich gelebte Integration. Alle kennen unseren Christian bereits und er wirkt richtig glücklich, wenn er da so mit seinem Mini-Traktor durch die Stadt düst", erzählt Sozialarbeiter Josef Ammerstorfer im Gespräch mit dem Standard. "Es gibt natürlich viele Außenprojekte für Menschen mit Behindung. Der Unterschied ist aber, dass unsere Leasing-Arbeiter keinen Betreuer, sondern einen direkt Vorgesetzten am Arbeitspaltz haben", erklärt Ammerstorfer.

Sozialarbeiterin unterstützt Unternehmen

Unterstützt werden die Unternehmen noch von einer Sozialarbeiterin, die im Bedarfsfall kontaktiert werden kann. Erfreut zeigt sich auch Rohrbachs Bürgermeister Josef Hauer: "Wir sind sehr zufrieden mit der Arbeitsleistung und auch ein wenig stolz, helfen zu können."Es entstehe eine Win-Win-Situation: "Die Gemeinde hat eine Arbeitskraft, die Klienten haben eine sinnvolle Tätigkeit und ernten Anerkennung. Wir wollen an dem Modell auf jeden Fall festhalten", so Hauer.

Der Erfolg hat jetzt das Projektteam dazu veranlasst, Expansionspläne zu schmieden: "Wir möchten das Projekt auf zehn Vollzeitstellen aufstocken", blickt Josef Ammerstorfer in die Zukunft. Ziel sei es, möglichst flexibel zu werden. "Jeder Interessent soll bei uns möglichst die passende Arbeitskaft bekommen können", so der Sozialarbeiter. (mro, DER STANDARD Printausgabe 23.6.2006)

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