"Dann geht nach Hause!"

22. Juni 2006, 20:42
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Christine Mielitz im Gespräch über ihre Volksopern-Regie der "Meistersinger von Nürnberg", Jobs, Quasthoff und Hrdlicka

Regisseurin Christine Mielitz kommt an die Volksoper, um die Wiederaufnahme ihrer Version der "Meistersinger von Nürnberg" zu betreuen. Ein Gespräch über Jobangebote, Thomas Quasthoff und Alfred Hrdlicka.


Wien - Dass es echte Anfragen seitens der Politik bezüglich des Intendantenjobs für die Volksoper nicht gegeben hat, war Christine Mielitz auch gar nicht unrecht. In Dortmund hatte sie in den letzten Jahren einiges initiiert, aber die Arbeit war nicht abgeschlossen. "Ich war zurückhaltend, weil im Zwiespalt mit mir. Wenn man mich unbedingt gewollt hätte, dann hätte man sich aber stärker engagiert. Ich bin jedoch gerne Gast; aus Dortmund wegzugehen wäre unkorrekt gewesen."

Wiengast ist sie nun einer Auffrischungsaktion wegen. Ihre Version von Wagners Meistersingern ist eine jener Produktionen (aus der Bachler-Volksopernära), bei der nicht nur das Orchester am Schluss in die Höhe gehoben wird. Es war auch wohl das letzte Mal, dass sich das Haus am Gürtel auf das Niveau der Staatsoper begeben hat.

"Ich bin kein Fan solcher Rekonstruktionen. Aber es ist uns gelungen, hier etwas wieder lebendig zu machen - auch dank des Assistenten, der wochenlang schuftete. Ohne diese Vorarbeit wäre gar nichts gegangen. Ein gefährliches Unterfangen ist es aber schon. Alles, was am Theater älter ist als fünf Jahre, ist problematisch."

Auch an der Wiener Staatsoper ist einiges von ihr im Repertoire. "Ich würde mich wohl sehr aufregen, wenn ich mir das alles wieder ansehen müsste. Hut ab vor den Assistenten dort, es sind die besten. Was wollen sie aber bei einer Parsifal-Wiederaufnahmeprobe von drei bis vier Stunden machen, wenn die Oper schon fünf Stunden dauert?" An die Proben zur Staatsopernpremiere denkt sie jedoch gerne.

"Der Thomas Quasthoff als Amfortas, dieser rasende Hunger, Oper zu machen - ein richtiger Trieb! Irgendwer aus dem Chor hat bei anstrengenden Proben einmal zu reden begonnen, da hat er gemeint: ,Ich bin an meiner Grenze angelangt mit dieser Partie. Wenn ihr mir nicht helfen könnt, wenn es euch zu lang wird, verstehe ich das, dann geht nach Hause! Aber ich ertrage jetzt nichts Negatives neben mir. Ich brache meine letzte Energie.' Das wirkte."

Die Aufgabe der Regie sei es, in solchen Augenblicken, die unterschiedlichsten Befindlichkeiten zusammenzubringen: "Ewig ,Ruhe!' zu brüllen bringt nichts. Diktator zu spielen nur manchmal. Aber dafür macht man den Beruf nicht." Durch die Meininger Zusammenarbeit mit Bühnenbildner Alfred Hrdlicka hat sie aber auch den Reiz der Kontroverse schätzen gelernt.

"Den Ring an vier Tagen zu machen, das war eine Art Olympiade. Hrdlicka zu begegnen war dabei wichtig. Als Tochter eines Geigers ist man ja ziemlich diszipliniert, man übt, man schätzt das Handwerk. Das hatte er auch. Aber dieser echten Kreativität zu begegnen war ein Schock. Es war oft ein Kampf, man hat sich ineinander verbissen. Mittlerweile fällt es mir viel schwerer, mit Bühnenbildnern zusammenzuarbeiten, die nur smart sind. Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen, die sich sehr lange verweigern, eigene Entwürfe beisteuern, nicht nur Konzepte bedienen." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.6.2006)

Von
Ljubisa Tosic

Spieltermine

23. und 27. 6.; 3., 9. und 16. 9.

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    Opernregisseurin Christine Mielitz

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