Entführung von El-Masri glaubwürdig

26. Juni 2006, 18:53
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Zeugenbefragung im BND-Ausschuss - Botschaft in Skopje schon Anfang 2004 informiert

Wie viel Unterstützung bekam die CIA während des Irakkriegs von deutschen Agenten in Bagdad? Wusste die Regierung in Berlin von geheimen CIA-Flügen mit Gefangenen über Deutschland? War ihr bekannt, dass die CIA den deutschen Staatsbürger Khaled El-Masri nach Afghanistan verschleppte, dort verhörte und folterte?

Diese Fragen versucht der parlamentarische BND-Untersuchungsausschuss zu klären, und am Donnerstag wurden von diesem Gremium die ersten Zeugen befragt. Bevor am späten Nachmittag der prominenteste Zeuge - El Masri selbst - aussagte, hörten die Abgeordneten zunächst die ermittelnde Staatsanwaltschaft in München.

Staatsanwalt Martin Hoffmann erklärte, er halte die Schilderung El-Masris, der zu Silvester 2003 in Mazedonien verschleppt worden war, für glaubwürdig. Er habe keine Anhaltspunkte, dass El-Masri Lügen aufgetischt habe. Immer wieder wurde Hofmann von den Abgeordneten gefragt, ob er bei seinen nach El-Masris Freilassung aufgenommenen Ermittlungen vom Bundeskriminalamt (BKA) oder Auswärtigen Amt (AA) behindert worden sei - was er verneinte.

Laut der Nachrichtenagentur AP wusste die deutsche Botschaft in Skopje schon früher als bekannt über die Verschleppung El-Masris Bescheid. Angeblich hat ein Deutscher die Botschaft schon Anfang 2004 informiert, dass ein anderer Deutscher festgenommen worden war. Ex-Innenminister Otto Schily (SPD) hatte immer erklärt, er habe erst nach El-Masris Freilassung zu Pfingsten 2004 vom damaligen US-Botschafter in Berlin, Dan Coats, von den Vorfällen erfahren.

Mittlerweile ist auch klar, dass sowohl El-Masri als auch sein Anwalt, Manfred Gnjidic, von der Polizei abgehört wor den sind. (bau/DER STANDARD, Printausgabe, 23.6.2006)

Birgit Baumann aus Berlin
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