Fans im Auge, Gefahr im Nacken

22. Juni 2006, 19:38
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Mit dem Rücken zum Geschehen, ohne Interesse am Spiel, mit einer Portion Mut - Die Ausstattung der Stewards

Franz Beckenbauer hat er trotz geschulter Augen noch nicht gesehen. Dabei ist das Auf-die-Tribüne-Schauen sein Job bei dieser WM.

Auf den VIP-Tribünen gibt es ja selten zu sehen, was er sehen soll. So weit sind sie in Deutschland nun auch wieder nicht, dass Frau Merkel randaliert, der Kaiser mit Bier schüttet oder sich am Mobiliar vergreift. Gut, wenn die Klinsmänner ausscheiden sollten, könnte die Situation natürlich eskalieren.

Die VIPs sind dann aber die geringste Sorge des Herrn Steward, der wie hunderte seiner namensgleichen Kollegen ins Publikum starrt. Und nur dorthin. Das ist ihr Job, dafür werden sie bezahlt, die Damen (die trotzdem nicht Stewardess heißen) und Herren in den orangen Jäckchen mit dem schwarzen Namenszug.

Was am Feld passiert, muss ihnen egal sein. Dem Publikum wiederholt den Rücken kehren ist ein Entlassungsgrund. "Desinteresse am Fußball war ein wichtiges Aufnahmekriterium", sagt Herr Steward. Wie sie so viele Desinteressierte finden konnten, ist ein Rätsel. Feige darf Herr Steward auch nicht sein, "denn wenn dich so ein Ball am Hinterkopf trifft, geht's dir schlecht". (DER STANDARD Printausgabe 23.06.2006)

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