Iranische Spiele

22. Juni 2006, 19:01
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Auf das Scheitern folgten Konsequenzen

Leipzig - Der Iran spielt daheim die Folgen von Deutschland weiter. Trainer Branko Ivankovic kann sich als oberster Sündenbock einen neuen Job suchen, Verbandspräsident Mohammad Dadkan wurde eine Stunde nach dem 1:1 gegen Angola in Leipzig per Regierungsdekret entmachtet. Knapp zwei Monate vor der nächsten Partie im Asiencup gegen Syrien (16. August) ist zudem das Verhältnis des Rekordnationalspielers Ali Daei und des aus Protest "streikenden"Bayern-Profis Ali Karimi zerrüttet.

Der Münchner war allerdings auch richtig wütend auf das Führungsduo, den Cheftrainer und Dadkan. "Ivankovic hatte nichts zu sagen, er hat nur die Anweisungen des anderen ausgeführt."Dem kroatischen Fußballlehrer werden außerdem von Medien und Trainern des Landes gravierende Fehler bei der Zusammenstellung des Kaders vorgeworfen, zudem sei die Truppe nicht fit gewesen.

Das iranische Sportministerium entschuldigte sich beim Volk für den "verletzten Stolz". Parlamentsabgeordnete hatten von Staatspräsident Mahmud Ahmadi-Nejad diesen Schritt in einem offenen Brief gefordert. Der von Journalisten informierte Dadkan kommentierte den Vollzug sarkastisch: "Das Sportministerium hat eine gute Entscheidung getroffen."

Rätselraten gibt es um den vakanten Trainerposten, ein einheimischer Fachmann wird gefordert. Für den sich anbietenden Niederländer Arie Haan, der Pirouzi Teheran trainiert, gibt es wohl keine Mehrheit. Tenor im Lande: Ausländer denken nur an sich und an ihr Geld, es werde mehr Herzblut gebraucht. U21-Nationalcoach und Ivankovic-Kritiker Ebrahim Ghasempour könnte als Übergangslösung dienen. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 23. Juni 2006, red)

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