Anzeige gegen Manager der Bawag schon 1998

11. Juli 2006, 12:44
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Bawag-Chef Helmut Elsner wurde schon 1998 rund um die Pleite von Economos angezeigt - OeNB-Prüfbericht: Nicht klar ob Gelder verspekuliert oder abgezweigt wurden

Die Wiener Wirtschaftspolizei wusste bereits seit 1998 über dubiose Vorgänge rund um die Gewerkschaftsbank Bawag Bescheid. Damals hatte profil-Journalistin Liselotte Palme eine Sachverhaltsdarstellung bei Wirtschaftspolizeichef Roland Horngacher abgegeben und Anzeige erstattet. Von der Wirtschaftspolizei ging die Causa weiter zur Staatsanwaltschaft, sagt Horngacher heute. Den Vorwurf, er wäre untätig geblieben, weist er "schärfstens zurück".

Aus dem Bawag-Prüfbericht der Notenbank (OeNB) geht hervor, dass es ein "völliges Versagen der internen Kontrollinstanzen" in der Bank gegeben habe. Schon angesichts des Totalverlusts durch die Karibik-Geschäfte 1998 (damals 639 Mio. Dollar) stellt die OeNB fest: "Es kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob die Gelder tatsächlich verspekuliert wurden oder sonstige Malversationen stattgefunden haben."

Dieser Vorwurf wird auch wegen Verlusten aus dem Jahr 1999 wiederholt: "Es ist nicht auszuschließen, dass diese Beträge an Dritte geflossen sind." Damit wird erstmals der Vorwurf der persönlichen Bereicherung laut ausgesprochen.

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Die profil-Journalistin Lilo Palme hat rund um die Bawag-Causa bereits 1998 eine Sachverhaltsdarstellung beim damaligen Chef der Wirtschaftspolizei, Roland Horngacher, eingebracht. "Das alles hat dort wohl geruht", sagt Palme zum Faktum, dass nie behördliche Taten gefolgt sind.

Der Anzeige war eine abenteuerliche Recherche und eine – nach einer einstweiligen Verfügung auf Antrag von Bawag-Chef Helmut Elsner – nie erschienene Geschichte rund um die Insolvenz von Economos im Herbst 1994 vorausgegangen. Economos war ein börsenotierter Dichtungshersteller und Großkunde der Bawag, Chef war Elsner-Freund Helmut Mayerhofer. Er gründete in den USA die Seal Jet, machte von Österreich aus "fingierte Geschäfte", wie Palme erklärt.

Das Ende der Economos-Geschichte

Mitte 1994 stellten die Banken ihre Kredite fällig, die Bawag kaufte ihnen per stillem Ausgleich einen Teil der Forderungen ab. Dafür ließ Elsner sie unterschreiben, auf zivil- und strafrechtliche Schritte gegen Economos oder Bawag zu verzichten. Den Hintergrund all dessen hatte Palme 1998 fertig recherchiert. Ihr Ergebnis: Die Bawag habe 1993 von der Überschuldung gewusst, die anderen Banken nicht informiert. Um die Bilanzen zu schönen, waren wertlose Forderungen mit Wertpapieren der Meinl Bank über den Ultimo werthaltig gemacht worden; der Wirtschaftsprüfer, der die Bilanzen bis zuletzt uneingeschränkt bestätigt hatte, berief sich darauf, Economos-Aufsichtsrat Elsner habe die Werthaltigkeit der Forderungen bestätigt.

All das wurde nie veröffentlicht: In einem einzigartigen Akt des gerichtlichen Eingriffs in eine Recherche wurde es Palme am 8. Mai 1998 per einstweiliger Verfügung (von Elsner beantragt) sinngemäß verboten, Fragen zu stellen. Allein dadurch tätige sie kredit- und rufschädigende Aussagen. Hintergrund: Palme hatte US-Konfidenten Fragen gestellt, in denen es um die Bilanzen von Economos und Verbindungen zur Seal Jet ging. Zudem wollte Palme wissen, ob es stimme, dass Bawag-Manager Elsner mit Mayerhofer auf dessen Yacht in der Karibik herumgesegelt sei.

Keine Antworten

Antworten blieben aus - statt dessen kamen Anwälte und Richter. Die Profil-Geschichte musste in letzter Minute aus dem Blatt gekippt werden - "stattdessen habe ich sie dann so zusagen zur Polizei gebracht", erzählt Palme. Wo die Anzeige abblieb und warum – dafür interessieren sich jetzt andere Polizisten. Horngacher zur APA: "Die Vorwürfe sind skurrilst." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe 23.6.2006)

  • Die Akten in der Causa Bawag lagerten in der Wirtschaftspolizei.
    foto: standard/cremer

    Die Akten in der Causa Bawag lagerten in der Wirtschaftspolizei.

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