Eurobarometer: Biotechnologieskepsis in Österreich

30. Juni 2006, 16:10
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Einziges EU-Land mit sinkendem Optimismus - Ablehnung gentechnisch veränderter Nahrungsmittel am deutlichsten

Wien/Brüssel - Die ÖsterreicherInnen zählen nach wie vor zu den technologie-skeptischsten EU-Bürgern. Wie aus der in Brüssel präsentierten Eurobarometer-Umfrage zum Thema Biotechnologie hervorgeht, stehen die EuropäerInnen Entwicklungen im Bereich Biotechnologie zunehmend optimistisch gegenüber. Nur in Österreich, das bei der Zuversicht ohnedies an vorletzter Stelle vor Griechenland liegt, hat der Optimismus gegenüber der letzten Umfrage abgenommen.

Mit einem Index-Wert von 75 stehen die Spanier unter den EU-15-Staaten biotechnologischen Entwicklungen am optimistischsten gegenüber, übertroffen werden sie von den neuen EU-Ländern Malta (81) und Estland (79). Österreichs Wert hat sich seit 2002 von 25 auf 22 verringert.

Nahrungsmittel

Am deutlichsten äußert sich der Biotechnologie-Skeptizismus bei gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln: Bei der Zahl derjenigen, die solche Produkte unter keinen Umständen kaufen würden, nimmt Österreich mit 55 Prozent die Spitzenposition ein, auf den Plätzen folgen Griechenland, Ungarn und Deutschland. In Malta liegt dieser Wert dagegen nur bei fünf Prozent.

Insgesamt ist die Ablehnung gentechnisch veränderter Nahrungsmittel in der EU mit durchschnittlich 58 Prozent recht hoch. Nur in Spanien, Portugal, Irland, Italien, Malta, Tschechien und Litauen gibt es mehr Befürworter als Gegner. Dagegen wird Biotechnologie zur Herstellung von Treibstoff, Plastik sowie zur Gewinnung von Pharmazeutika aus gentechnisch veränderten Pflanzen von einer Mehrheit in Europa befürwortet und sollte nach der Meinung von 70 Prozent der Befragten gefördert werden.

Entscheidungen

Befragt wurden die EuropäerInnen auch, ob bei Entscheidungen über Biotechnologie eher wissenschaftliche Beweise oder moralisch-ethische Kriterien maßgebend sein und diese Entscheidungen eher von Experten und Expertinnen oder der Öffentlichkeit getroffen werden sollen. Im europäischen Schnitt befürworten knapp 60 Prozent eine Entscheidung nach wissenschaftlichen Kriterien durch Experten und Expertinnen. In Österreich kann sich dafür nur ein gutes Drittel (36 Prozent) erwärmen. Dagegen wollen hierzulande 31 Prozent, dass Entscheidungen nach moralisch-ethische Kriterien durch die Öffentlichkeit getroffen werden (EU-Schnitt dafür: 15 Prozent).

Bei der Stammzellen-Forschung entscheiden die EU-Bürger im Durchschnitt nur wenig zwischen embryonalen (59 Prozent Zustimmung) und nichtembryonalen Quellen (65 Prozent Zustimmung). Die größte Unterstützung findet sich in Belgien, Schweden, Dänemark, Holland und Italien; die niedrigste in den baltischen Staaten, Slowenien, Malta, Irland und Portugal. Österreich befindet sich im Drittel der eher kritischen Länder.

Stammzellenforschung wird auch von denjenigen mehrheitlich befürwortet, die den Embryo von der Empfängnis an als menschliches Wesen ansehen. Allerdings wünschen sich die meisten auch, dass diese Forschung streng kontrolliert wird. Im Allgemeinen gilt aber der medizinische Nutzen mehr als moralische oder religiöse Bedenken. (APA)

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    Gentechnisch veränderte Maispflanzen in Deutschland - Entwicklungen im Bereich Biotechnologie stehen ÖsterreicherInnen skeptisch gegenüber.

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