Peking "sehr besorgt" über Raketentestpläne Pjöngjangs

28. Juni 2006, 12:24
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Japan trifft Vorbereitungen - USA würden Test als Bedrohung betrachten

Peking/Washington/Tokio/Seoul - Die chinesische Regierung hat am Donnerstag die bisher demonstrierte Zurückhaltung gegenüber den Berichten über Raketentestpläne in Nordkorea abgelegt und sich sehr beunruhigt über die Möglichkeit eines Raketenstarts gezeigt. Die Sprecherin des Außenministeriums, Jiang Yu, sagte dazu in Peking: "Wir sind sehr besorgt über die gegenwärtige Situation." Sie fügte hinzu: "Wir hoffen, dass alle Beteiligten mehr tun können, was der Stabilität und dem Frieden in der Region dienlich ist."

Die USA würden indes einen über Japan durchgeführten Raketentest Nordkoreas eigenen Angaben zufolge als eindeutige Bedrohung für internationalen Frieden und Sicherheit werten. Die USA könnten dies nicht akzeptieren, sagte der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Bolton, am Mittwoch dem Fernsehsender CNN. Es gebe sehr ernst zu nehmende Anzeichen für eine Vorbereitung eines Abschusses.

Die US-Regierung habe jedoch keine Informationen, welche Ladung die Rakete trage. "Wir wissen nicht genau, was Nordkorea vorhat. (...) Es könnte eine Übung sein, es könnte eine Provokation sein. Es könnte eine wirkliche Vorbereitung für einen Abschuss sein", sagte Bolton. Er forderte China als einen der wenigen Verbündeten der nordkoreanischen Regierung auf, mehr zu unternehmen, um das kommunistische Land von einem Test abzubringen.

Mission

Japan hat indes eine Mission zur genaueren Erkundung des angeblich geplanten nordkoreanischen Raketentests losgeschickt. Boote und Flugzeuge seien auf dem Weg, um möglichst viele Informationen darüber zu sammeln, sagte der japanische Verteidigungsminister Fukushiro Nukaga am Donnerstag in Tokio.

Der stellvertretende japanische Außenminister Yasuhisa Shiozaki sagte allerdings, Nordkorea verfüge nicht über die technischen Mittel, seine Raketen mit Atomsprengköpfen auszustatten. Um nukleare Sprengköpfe so zu verkleinern, dass sie auf einer Rakete abgeschossen werden könnten, sei ein bestimmter Grad von Technologie nötig. Es gebe keine Informationen, dass Nordkorea darüber verfüge. Nordkorea hatte im vergangenen Jahr erklärt, Atomwaffen zu besitzen.

Vorbereitungen

Japan sich stellt sich auch darauf ein, bei einem nordkoreanischen Raketentest eventuell in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Nach Polizeiangaben wurden sogar Vorbereitungen für den schlimmsten Fall getroffen - den Absturz einer Rakete oder von Raketenteilen auf japanisches Gebiet. Zugleich wurden Schiffe und Aufklärungsflugzeuge zur Beobachtung der Entwicklungen in Nordkorea ausgesandt. Die 1998 abgefeuerte nordkoreanische Langstreckenrakete flog seinerzeit über Japan hinweg.

Das Verteidigungsministerium Südkoreas erklärte derweil, ein solcher Test stehe nach einschlägigen Erkenntnissen nicht unmittelbar bevor. Sollte jedoch ein Geschoss auf südkoreanisches Territorium abgefeuert werden, sei man mit amerikanischer Hilfe darauf vorbereitet, dieses umgehend abzulenken.

Die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA meldete unterdessen, dass die USA Spionageflüge über Nordkorea fliege, und sprach von "erhöhter Gefahr eines Militärkonflikts". Wörtlich hieß es: "Die imperialistischen US-Kriegstreiber haben jüngst die militärischen Provokationen gegenüber der DVRK (Nordkorea) verstärkt". Das "unaufhörliche illegale Eindringen (auf das Staatsgebiet Nordkoreas) hat die Gefahr eines militärischen Konflikts in der Luft verstärkt".

Nach Angaben der USA, Südkoreas und Japans weisen Satellitenbilder darauf hin, dass Nordkorea möglicherweise den Abschuss einer Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-2 vorbereitet. Bereits 1998 schockierte das weitgehend abgeschottete Nordkorea die Weltöffentlichkeit, in dem es eine Rakete über Japan in den Pazifik feuerte. 2003 trat Nordkorea zudem aus dem Atomwaffensperrvertrag aus. Im vergangenen Jahr erklärte das Land erstmals, im Besitz von Atomwaffen zu sein. Die USA und Japan drohten Nordkorea für diesen Fall mit ernsten Konsequenzen bis hin zur Einschaltung des UNO-Sicherheitsrates. (APA/dpa/Reuters/AP)

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