Unser Song aus 1956

22. Juni 2006, 17:00
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"Rip It Up" von Little Richard

In der Popmusik liegt ewige Wahrheit. Nur welche? Diese Woche betrachten wir "Rip It Up" von Little Richard.

Ökonomen reden von der Optimierung des "Consumer Spending", wenn sie wollen, dass das Volk sein Geld etwas leichtfertiger aus dem Fenster schmeißt. Sie empfehlen den Regierungen dann Steuer- und den Bundesbanken Zinssenkungen: Ihr könnt den Menschen das Geld ruhig geben, die schmeißen es ja doch wieder raus. Sagt ihnen, sie hätten jetzt Eigenverantwortung, weniger Staat, weniger Gesetze, weniger Abgaben, und sagt dazu, das nenne man neoliberal.

Das kann funktionieren. Bei George W. Bushs berüchtigtem "Tax Cut" von 2001 hat es, was Experten erst bezweifelten, zulasten des Staatsdefizits hingehauen: Die Amerikaner verhielten sich exakt wie Bushs Ökonomen es sich ausgerechnet hatten – und wie es schon 1956 Little Richard vorgeschlagen hatte: "Rip It Up", das Geld, empfahl Richard, ballert alles raus.

Nun könnte man Richards ökonomischen Verstand leicht infrage stellen. Wir wissen ja zum Beispiel, dass Richard Prostituierte nur dafür bezahlte, vor seinen Augen mit anderen Männern zu schlafen: Echte Wirtschaftsexperten, wie uns der VW-Vorstand eindrücklich vorgeführt hat, handhaben solche Situationen – sagen wir – zielführender.

Er sei "a fool about my money", singt Richard, doch er täuschte sich: Die westlichen Zivilisationen hörten auf Richard! Amerikaner, Engländer und allen vorneweg die rosinenbombergenährten Deutschen ripten ihr schmales Geld up, was das Zeug hielt, und schufen: ein Wirtschaftswunder.

Das könnten wir heute auch gebrauchen. Aber wir haben keinen Little Richard mehr, wir haben jetzt einen anderen Irren. Der Rapper 50 Cent wurde neulich auf den Straßen New Yorks gesehen, wie er "100-Dollar-Noten" ins Volk warf: Ist doch ein Anfang. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.6.2006)

Von Philipp Oehmke

Tracklist:

Clarence "Frogman" Henry Ain't Got No Home

Wanda Jackson Baby Loves Him

Roy Orbison & The Teen Kings Ooby Dooby

Little Richard Rip It Up

Ray Charles Lonely Avenue

Peter Kraus Die Straße der Vergessenen

Elvis Presley Don't Be Cruel

Johnny Cash I Walk The Line

Gene Vincent & His Blue Caps Be-Bop-A-Lula

Doris Day Whatever Will Be, Will Be (Que Sera, Sera)

James Brown & The Famous Flames Please, Please, Please

Aretha Franklin Precious Lord (Part One)

Shirley & Lee Let The Good Times Roll

Carl Perkins Blue Suede Shoes

The Johnny Burnette Trio The Train Kept A-Rollin'

The Cadets Stranded In The Jungle

Bo Diddley Who Do You Love?

The Lonnie Donegan Skiffle Group Rock Island Line

The Drifters Ruby Baby

Chuck Willis It's Too Late

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