Deutsch gesagt: "Mama ist wichtiger"

23. Juli 2006, 18:40
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Sprachkurse für Volksschulkinder-Mütter - Zwei mal pro Woche soll Migrantenmüttern die Sprache beigebracht werden

Wien – Was für erfogreiche Integration wichtig ist, darüber wurde in der Integrationsdebatte in den vergangenen Wochen wohl schon jeder zur Genüge informiert: das Erlernen der deutschen Sprache.

Mit dem Sprachkurs "Mama lernt Deutsch" bewegt sich die Stadt Wien dem Ziel entgegen, das auch möglichst vielen zu ermöglichen. Wiener Integrations- und Frauenstadträtin (SP) Sonja Wehsely präsentierte am Donnerstag den neuen Sprachkurs, der von der Wiener Städtischen und der Erste Bank mitfinanziert wird.

Ab Herbst können ausschließlich Mütter von Migrantenkindern, die keine oder sehr geringe Deutschkenntnisse haben, an der Volks- oder Hauptschule ihres Kindes einen der 144 Deutschkurse á 15 Plätze besuchen. In zwei mal drei Stunden pro Woche während des ganzen Schuljahres sollen den Müttern die Grundlagen beigebracht werden. Jugend als Zukunft

Der Grund, warum man sich an die Mütter richtet, liegt für Wehsely auf der Hand: Aufgrund der rechtlichen Lage sei es ausländischen Frauen vewehrt, einer Arbeit nachzugehen und am_Arbeitsplatz Deutsch zu lernen, und auch aus anderen Gründen seinen sie diesbezüglich benachteiligt, sagte sie. Die Zukunft der Stadt aber sei die Jugend und deren Bildung. Welcher Ausbildungsweg von Kindern eingeschlagen wird, das entscheiden vor allem die Mütter. "Eltern den Wert der Bildung zu vermitteln, verbessert die Aufstiegschancen ihrer Kinder in der Zukunft," sagte die Stadträtin. "Mama ist wichtiger" sagte entschieden auch Günter Geyer, Generaldirektor der Wiener Städtischen. Da Männer stärker im Arbeitsprozess integriert seien, hätten sie es nicht so schwer wie Frauen. In den Sprachkursen, wo auch Exkursionen durch Wien und andere Veranstaltungen geplant sind, werde den "Frauen aus anderen Kulturkreisen" auch das Thema Emanzipation näher gebracht. Für die insgesamt 2.200 Mütter kostet der Kurs 150 Euro, pro Stunde einen Euro, was die Frauen aber nicht auf einmal bezahlen müssen, betont Wehsely. Das gesamte Projekt kostet eine Million Euro, wovon die Sponsoren "einen beträchtlichen Teil" übernehmen. (mil, DER STANDARD Printausgabe 23.6.2006)

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