Peter Kropsch zum Co-Geschäftsführer der APA bestellt

4. Juli 2006, 22:10
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Umsatzsteigerung um sechs Prozent - Vor 60 Jahren wurde die Nachrichtenagentur gegründet

Die Nachrichtenagentur APA erweitert die Geschäftsführung um Peter Kropsch, einen der bisherigen Stellvertreter von Geschäftsführer Wolfgang Vyslozil. "Österreich", die neue Tageszeitung der Fellners, wurde in die APA-Eigentümerstruktur aufgenommen. Im Rahmen der 60. Generalversammlung wurde weiters die Ausschüttung einer 42-prozentigen Kapitaldividende an die Eigentümer beschlossen.

Erfolgreiches Geschäftsjahr

Positive Bilanz zog Kropsch über das vergangene Geschäftsjahr, in dem der Umsatz gegenüber 2004 um knapp sechs Prozent auf 35,9 Millionen Euro gesteigert werden konnte. Der Jahresüberschuss lag bei zwei Millionen Euro und das trotz hoher finanzieller Belastungen durch den Umzug. "Unsere Geschäftserwartungen wurden damit weit übertroffen", so Kropsch. Innerhalb der nächsten vier Jahre sei eine offensive Expansionspolitik und ein weiteres Umsatzwachstum um 75 Prozent geplant.

Eigentümerverhältnisse verschieben sich

Mit dem Beitritt "Österreichs" verschieben sich auch die Eigentümerverhältnisse bei der Nachrichtenagentur. Die Fellner-Zeitung, deren Start für 18. September geplant ist, wird nach der "Kleinen Zeitung" und dem "Kurier" zum drittgrößten APA-Eigentümer im Bereich der Tageszeitungen, die insgesamt rund 57 Prozent der Anteile halten. Größter Einzeleigentümer bleibt mit etwa 43 Prozent der ORF, erklärte Vyslozil.

"APA 2010"

Seit Mittwoch steht Vyslozil als Co-Geschäftsführer der 40-jährige Kropsch zur Seite, der vornehmlich für die Umsetzung der Strategie "APA 2010", also etwa für das geplante Umsatzwachstum von 75 Prozent, verantwortlich zeichnen soll. Die APA möchte ihre Fühler vor allem nach Ost- und Zentraleuropa ausstrecken, wo sie sich als "führender Player" in den Bereichen Infomanagement und Mediendatenbanken etablieren will, so Vyslozil, Vorsitzender der Geschäftsführung.

Wichtige Schritte in diese Richtung konnten laut Kropsch bereits durch den Erwerb von 70 Prozent an der Warschauer PNB (Polish News Bulletin) sowie Großaufträgen von dpa, Süddeutscher Zeitung und Gruner + Jahr im Bereich Datenbanken gesetzt werden. Jüngster Zugang in der APA-Gruppe ist die Tourismuspresse GmbH Innsbruck, Verbreitungskanal für touristische Presseaussendungen.

"APA-Kompakt"

Auch der Boom auf dem Gratiszeitungssektor geht an der APA nicht spurlos vorüber: Im Rahmen der Generalversammlung wurde daher ein spezielles Nachrichtenformat namens "APA-Kompakt" genehmigt. Diese neue Produktschiene bietet Nachrichten in geringerem Umfang und weniger detailliert als der Basisdienst - dafür kostengünstiger, berichtete Chefredakteur Michael Lang. Der Gratissektor stellt für Österreichs Nachrichtenagentur künftig allerdings nicht nur neue Marktchancen, sondern auch die größte strategische Herausforderung dar, wie Vyslozil betonte. Hier gelte es, Gratis-Content-Anbietern wie Yahoo oder Wikipedia substanzielle und weit reichende Antworten entgegenzusetzen.

Großraumbüro verbesserte Arbeitsbedingungen

Auf Erfolgskurs scheint die APA nicht nur ex- sondern auch intern zu sein. Eine aktuelle Studie des Darmstädter Medienwissenschafters Klaus Meier, in deren Rahmen die redaktionellen Mitarbeiter anonym befragt wurden, zeigt, dass sich mit der Übersiedelung der Nachrichtenagentur an den Wiener Naschmarkt und der Einrichtung des Newsrooms sowohl die Schnelligkeit der Berichterstattung als auch die ressortübergreifende Zusammenarbeit deutlich gesteigert haben. "77 Prozent der befragten Mitarbeiter sind davon überzeugt, dass das Großraumbüro die Arbeitsbedingungen alles in allem verbessert hat", zitierte Lang.

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60 Jahre APA

Vor 60 Jahren wurde die APA - Austria Presse Agentur gegründet: Nach Genehmigung des ersten Statutes durch die Alliierten am 7. August nahm die Agentur am 1. September 1946 den Betrieb auf: Die allererste Meldung wurde im Wirtschaftsressort ausgegeben. 60 Jahre später hat sich die "gute alte Zeit", in der Nachrichten über endlose Streifen des so genannten Hell-Schreibers an Zeitungen und Hörfunkstationen des Landes verteilt wurden, in das Zeitalter der "Realtime-Information" verwandelt - und aus dem "Nachfolger" des ungarisch-österreichischen Korrbureaus wurde der führende elektronische Informationsprovider des Landes.

Nachrichtenagentur für Österreich-Ungarn

Die Geschichte der APA-Vorläuferinnen begann sechs Jahrzehnte vor dem Untergang der Monarchie. Am 11. Juni 1859 beschloss der Ministerrat die Gründung einer eigenen Nachrichtenagentur für Österreich-Ungarn - und zwar nach einer Falschmeldung des 1850 gegründeten privaten Zeitungsnachrichtenbüros "Oesterreichische Correspondenz" über den Ausgang der Schlacht von Magenta. Das neue "Telegraphen-Korrespondenz-Bureau" sollte bis 1922 existieren.

Staatliche Leitung

Die Agentur stand ebenso wie das Nachfolgeunternehmen, die Amtliche Nachrichtenstelle (ANA), unter staatlicher Leitung. Die ANA wurde in den Jahren 1938 bis 1945 in die "Zweigstelle Wien" des in Berlin ansässigen "Deutschen Nachrichten Büros" umgewandelt. 1946 erfolgte schließlich die Gründung der Austria Presse Agentur als privatwirtschaftliches Unternehmen auf Initiative der Alliierten. Die APA ist übrigens eine von weltweit nur rund 20 unabhängigen Nachrichtenagenturen, der große Rest ist unter staatlicher Kontrolle.

25 Schreibtische, 22 Lampen, sechs Telefonzellen

Eine konstituierende Versammlung erstellte ein erstes Statut mit einem Unabhängigkeitspassus. Nach dessen Genehmigung durch die Alliierten am 7. August 1946 nahm die neugegründete APA am 1. September 1946 im Gebäude der Wiener Börse die Arbeit auf. Zu Beginn verfügte die Agentur über eine Auslands-, eine Inlands-, eine Wirtschafts- und eine Sportredaktion. Andere Themenkreise wurden zunächst "mitbehandelt". Die Mitarbeiter mussten anfang mit 25 Schreibtischen - aber nur 22 Schreibtischlampen, wie eine zeitgenössische Inventarliste zeigt - sowie sechs Telefonzellen ihr Auskommen finden.

Neuer Newsroom 2005

Die Kulturredaktion entstand 1957, ein eigenes Chronikressort gibt es seit 1983. Die Bildredaktion wurde 1985 ins Leben gerufen, die Grafik erblickte als eigenes Ressort 1994 das Licht der Welt. Von 1970 bis 2005 war die APA im Internationalen Pressezentrum in der Gunoldstraße 14 in Wien-Döbling untergebracht. Im August des Vorjahres erfolgte schließlich der Umzug in den modernsten und größten Newsroom Kontinentaleuropas (1.600 Quadratmeter) in der Laimgrubengasse 10 in Wien-Mariahilf.

600 Meldungen

Während in der Anfangszeit der Tagesausstoß rund 100 bis 150 Meldungen betrug, gehen sechs Jahrzehnte später durchschnittlich etwas mehr als 600 Meldungen "ans Netz". Die rund 100 Redakteure und etwa 40 ständigen Mitarbeiter sichten täglich gegen 20.000 Meldungen von 25 Nachrichten und zwei Wirtschaftsagenturen aus aller Welt.

Die gesamte APA-Gruppe besteht mittlerweile nicht nur aus 270 Angestellten, sondern auch aus mehreren überaus erfolgreichen Töchtern: Der APA-OTS GmbH, der APA-Defacto, der APA-Mediawatch, der APA-IT GmbH sowie der APA-Beteiligungsmanagement GmbH. Zum Kernbereich "Nachrichtenagentur" zählen die Abteilungen Basisdienst, Multimedia, Finance und Images. (APA)

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