Karzai fordert andere Strategie im Kampf gegen Terrorismus

24. Juni 2006, 09:45
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Hunderte Tote nicht hinnehmbar - Al-Kaida-Vize al-Zawahiri ruft zu Aufstand auf

Kabul/Kairo - Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat die internationale Gemeinschaft am Donnerstag eindringlich gemahnt, die Strategie im Kampf gegen den Terror zu ändern. Hunderte Tote bei den Kämpfen in Südafghanistan seien "nicht akzeptabel", erklärte Karzai. Der Kampf gegen die militanten Islamisten ziele nicht auf die Wurzeln des Terrorismus. Den Terroristen müsse die finanzielle Unterstützung, ihre Ausbildung, Ausrüstung und ihre Motivation genommen werden, forderte Karzai.

Die von den USA geführten Koalitionstruppen in Afghanistan haben mit einer Offensive in vier südlichen Provinzen begonnen, um die dort in jüngster Zeit wieder sehr aktiven Taliban zurückzudrängen. Seit Mai wurden bei Gefechten schon mehr als 600 Menschen getötet, darunter viele Kämpfer der Taliban. Diese Kämpfe an sich seien inakzeptabel, erklärte Karzai. "Selbst wenn sie Taliban sind, so sind sie doch Söhne dieses Landes." Karzai betonte, die internationale Gemeinschaft habe dem Land in vielen Bereichen geholfen. In vielen leider aber auch nicht. Das sei der Grund für die Unzufriedenheit in Afghanistan.

"Feind des Volkes"

Als "Feind des Volkes" bezeichnete Karzai den Vizechef des Terrornetzwerks Al Kaida, Ayman al-Zawahiri, der die afghanische Bevölkerung in einer neuen Videobotschaft zum Widerstand gegen die US-geführten Koalitionstruppen aufgerufen hat. Das auf einer islamistischen Web-Site verbreitete Video ist bereits das sechste von al-Zawahiri in diesem Jahr.

Der Stellvertreter von Osama bin Laden erklärt darin, seine Botschaft richte sich vor allem an die Einwohner von Kabul. Alle Afghanen sollten sich den "ungläubigen Truppen, die in islamische Länder eindringen", entgegenstellen. Die Menschen in Kabul seien Zeuge eines neuen Verbrechens der US-Streitkräfte gegen das afghanische Volk geworden. Der Sprecher bezieht sich dabei augenscheinlich auf die Unruhen Ende Mai in Kabul, die durch einen von den US-Truppen verursachten Verkehrsunfall ausgelöst worden waren.

Bei Kämpfen im Osten Afghanistans wurden wieder vier US-Soldaten getötet, wie die US-Streitkräfte mitteilten. Nach Angaben der Taliban starben bei dem Angriff auf die Soldaten, die gerade aus einem Hubschrauber gestiegen seien, in der Provinz Nuristan am Vorabend zwei ihrer Kämpfer.

Kurz zuvor hatte sich nach Angaben der Nachrichtenagentur Pajhwok in der selben Provinz ein Selbstmordattentäter in der Nähe eines kanadischen Militärkonvois in die Luft gesprengt und einen Taxifahrer mit in den Tod gerissen.

In Afghanistan sind heuer bereits mehr als 1000 Menschen bei Gefechten und Anschlägen ums Leben gekommen. Seit dem Sturz der Taliban 2001 war die Gewalt noch nie so heftig wie derzeit. Der Aufstand der Rebellen hat sich in den vergangenen Wochen noch intensiviert. Das Sicherheitsbündnis NATO bereitet sich darauf vor, die Kontrolle über den gefährlichen Süden von den US-angeführten Truppen zu übernehmen. Die Region gilt als Hochburg der Taliban. (APA/AP/dpa/Reuters)

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