Über die kleinen Kork-Teufel

22. Juni 2006, 16:10
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Zwischen Glanz und Elend einer Flasche Schnaps entscheidet leider immer wieder ein kleiner Hund namens Kork(ie). Ein Nachtrag zur Williams-Verkostung 2006 von Vene Maier

Man kann alles richtig machen: Schöne, reife und saftige Birnen aus dem Wallis oder dem eigenen Garten besorgen, in neuen Tanks gekühlt vergären, in einer tollen, modernen Anlage doppelt brennen, lagern und reifen lassen, in eigens modellierte Flaschen füllen, damit die Gaumen der Konsumenten erobern und bei Verkostungen glänzen – und dennoch einen Schnaps in der Flasche haben, der leider nicht gut ist.

Was hier und jetzt wie eine Kritik klingt, ist in Wahrheit aber nur der Versuch einer Erklärung. Denn was nützen all die Aufwendungen, was nützt alles Wissen und der ganze Einsatz, wenn der eine halbe Liter Schnaps, den man gerade vor sich hat, einen fehlerhaften Korken draufsitzen hat? Dann schmeckt der Schnaps resp. Edelbrand eben gänzlich unedel. Muffig, stumpf, papierig, mit schwankender Frucht und bitterem Geschmack. Oder, wie wir bei der Verkostung seinerzeit im April festgestellt haben: „Weiche, fast überreife Frucht / auch am Gaumen überreife Note, etwas muffig, wenig Druck auch im Abgang.“

So wurde zB der Williamsbrand vom Guglhof bei unserer letzten Verkostung bewertet. Für die eine Flasche zu Recht, für 99 andere aber zu Unrecht. Denn die letzteren schmecken wie folgt:

„Saftig, lebendig und frisch in der Nase, schöne Gewürzstruktur, hell und typisch / Körper mit intensiver Williamsnote, viel Saft und festem Fleisch, anhaltende Gewürznote, kernig, kräftig, zupackend / sehr gute Länge, typischer Charakter von Anfang bis zum Ende.“

Eine andere Flaschen-Niete war der Williams Edelbrand von Wurm & Wurm. Wir notierten: „Grünlich-frisch, grasig, würzig / irritierend am Gaumen, Karton, verwaschen, stumpf / KORK?! Nachverkostung: Nase frisch und birnig / Eindrücke vom Gaumen wie oben. Vermutlich ein Flaschenfehler.“

Die Notizen zur nachgereichten Probe desselben Brandes: „Toller Birnenduft, feines Kompott, würzig, warm und reif / fruchttypisch und pikant am Gaumen, harmonisch, dicht mit feiner Säurestruktur / schöner Abgang, lang anhaltend, mit rassiger Würze.“

Wenn das so ist, dann gibt man dem Schnaps gerne seine vier oder fünf Sterne. Weil er es wert ist. Und weil in ihm die Klasse und die Qualität stecken, um diesen Brand risikolos allen empfehlen zu können, die gern mal einen wirklich guten Williamsbrand trinken. Ausser man hat das Pech und trifft diesen kleinen, bösen Hund, der schon dem Brenner die ganze Arbeit und das beste Image versaut hat und den hoffnungsfrohen Trinker verwirrt, ihn verirrt, freud- und ratlos im Korkwald stehen lässt. Böse, an und für sich.

  • Artikelbild
    foto: standard/matthias cremer
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