Alpentransit-Börse

31. Juli 2006, 12:18
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Um der wachsenden Belastung durch den Straßengüterverkehr über die Alpen Herr zu werden, hat das Schweizer Verkehrs- und Umweltministerium (Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation) die Idee einer Alpentransit-Börse (ATB) entwickelt. Es handelt sich um ein Instrument, mit dem die knappen Straßenkapazitäten an den Alpenübergängen bewirtschaftet bzw. die Anzahl der Transitfahren reduziert werden soll.

Grundsätzlich wurden zwei Grundmodelle durchgedacht:

  • Die Variante "Slotmanagement" ist ein freiwilliges System von handelbaren Reservierungssrechten, die zur Passage in einem bestimmten Zeitfenster (Slot) berechtigen. Ziele sind eine bessere Ausnutzung der knappen Straßenkapazitäten, die Reduktion von Staus und Wartezeiten sowie Anreize zu einer besseren Planung und Logistik. Diese Variante ermöglicht für zeitkritische Transporte wie zum Beispiel verderbliche Lebensmittel bei Verkehrsüberlastungen eine schnellere Durchfahrt, indem eine Reservierung zu Marktpreisen gekauft wird. Fahrzeuge ohne Reservierung müssen länger warten.
  • Die Variante "Plafondierung und Handel" wäre ein obligatorisches System handelbarer Alpentransitrechte mit dem Ziel, eine mengenmäßige Begrenzung der alpenquerenden Gütertransporte auf der Straße volkswirtschaftlich effizient umzusetzen. Die Durchfahrtsrechte werden entweder kostenlos verteilt, zu einem festen Preis verkauft oder versteigert. Nach der Erstzuteilung können sie frei gehandelt werden. Diese Variante würde zu einer Verteuerung der Straßentransporte führen und damit zu einer Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene - das Ausmaß würde von der gewählten Maximalzahl an Transitfahrten abhängen.
  • Bei beiden Modellen erfolgt der Handel entweder direkt zwischen den Transportunternehmen, via Zwischenhändler oder übers Internet. Die Durchfahrtsrechte werden als elektronische Passagierscheine ausgestellt, die vor der Fahrt ausgedruckt oder auf Mobilfunkgeräten empfangen und vorgewiesen werden können.

    Die Machbarkeit der ATB wurde in einem Forschungsprojekt untersucht: Beide Modelle seien technisch und betrieblich machbar, heißt es im Schweizer Verkehrsministerium. Die bauliche Infrastruktur sei größtenteils vorhanden, Kontrolle und Handel könnten mit beschränktem Aufwand aufgebaut werden. Beide Varianten seien marktkonform, effizient und effektiv sowie nicht diskriminierend. Dabei gehe es auch nicht um Steuereinnahmen - "eine staatsquotenneutrale Ausgestaltung ist möglich", heißt es. (APA)

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