Heute: Ukraine vor WM-Meilenstein

23. Juni 2006, 17:59
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Ein Punkt gegen Tunesien genügt praktisch zum Aufstieg ins Achtelfinale; Afrikaner benötigen unbedingt ersten Sieg seit 1978

Wien/Berlin - Der Fehlstart (0:4 gegen Spanien) ist vergessen, mit der Form von Idol Andrej Schewtschenko das Fußball-Fieber wieder ausgebrochen! Seit der Volksheld gegen Saudi-Arabien zum 4:0 ein Tor selbst erzielte und ein weiteres servierte, zweifelt vor dem "Endspiel" der Gruppe H am Freitag in Berlin gegen Tunesien keiner der 47 Millionen Ukrainer mehr am Einzug des Endrunden-Debütanten ins WM-Achtelfinale. Ein Punkt dürfte für einen weiteren WM-Meilenstein des Neulings genügen.

Wladimir Klitschko, ein weiterer weltweit bekannter Sportler aus der Ukraine, sieht seine Landsleute zu mehr befähigt und noch kein Ende des Höhenflugs. "Jetzt schlagen wir Deutschland im Endspiel 3:2 nach Verlängerung, und das entscheidende Tor schießt natürlich Schewtschenko", spielt der Profibox-Weltmeister den allzu optimistischen Propheten. "Schewa", der den Abramowitsch-Millionen erlag und nach der WM vom AC Milan zum FC Chelsea wechselt, gibt sich zurückhaltender als sein Sportlerkollege.

"Die Tunesier haben einen guten Trainer und ein starkes Team. Wir müssen vorsichtig sein, werden auf keinen Fall die Afrikaner unterschätzen", meinte der 29-jährige Starstürmer, der als Rekordtorschütze seines Landes bei derzeit 30 Treffern hält. "Ein Remis wäre schon ein gutes Resultat, aber wir wollen unbedingt gewinnen. Dazu müssen wir das Mittelfeld kontrollieren und aggressiv in die Zweikämpfe gehen", kündigte er an.

Teamchef Oleg Blochin kann in der Verteidigung wieder auf den gegen Spanien ausgeschlossen Verteidiger Wladislaw Waschtschuk zurückgreifen. Dennoch ist der frühere Österreich-Legionär dadurch nicht alle Defensiv-Sorgen los. Wladimir Jeserski, der schon gegen die Araber wegen einer Oberschenkel-Verletzung hatte passen müssen, ist noch immer nicht ganz fit. Gefordert ist Blochin nach dem 0:4 und 4:0 doch mehr als Psychologe. "Wir müssen unser emotionales Gleichgewicht wiederfinden", weiß er.

Die Tunesier, die zum Einzug unbedingt ihren zweiten WM-Sieg nach 1978 (3:1 Mexiko - erster Endrunden-Erfolg für Afrika) benötigen, strotzen nicht gerade vor Zuversicht, obwohl sie gegen Spanien alles richtig gemacht haben. "Ich bin Realist, nicht Optimist. Wir können uns nicht verstecken und brauchen nicht mehr herumzurechnen. Wir haben in zwei Spielen jeweils 1:0 geführt, müssen uns besser konzentrieren", meint ihr 64-jähriger französischer Teamchef Roger Lemerre, der auf das vierte Gruppen-Out nach 1978, 1998 und 2002 vorbereitet ist.

Mittelfeldspieler Mehdi Nafti von Birmingham City zeigt Respekt: "Die Ukrainer spielen nicht auf dem gleichen Niveau wie die Spanier, aber sie haben andere Trümpfe, vor allem ihre körperliche Stärke." Auch der Afrika-Meister von 2004 ist nicht frei von Verletzungen, vermutlich müssen sie erneut auf den gebürtigen Brasilianer Silva dos Santos verzichten, der in Deutschland wegen einer Schienbein-Blessur noch nicht zum Einsatz kam. Es gebe große Zweifel, dass der Stürmer Freitag spielen könne, sagte Lemerre. (APA/AP/dpa/Reuters)

  • UKRAINE - TUNESIEN (Berliner Stadion, 16 Uhr, Schiedsrichter Carlos Amarilla/Paraguay):

    Ukraine: 1 Schowkowski - 17 Waschtschuk, 6 Rusol, 2 Nesmatschni - 9 Gusew, 11 Rebrow, 4 Timoschtschuk, 8 Schelajew, 19 Kalinitschenko - 10 Woronin, 7 Schwetschenko Es fehlt: Jeserski (Oberschenkel-Verletztung)

    Tunesien: 1 Boumijel - 6 Trabelsi, 15 Jaidi, 3 Haggui, 19 Ayari - 13 Bouazizi, 20 Namouchi, 8 Nafti, 12 Mnari, 14 Chedli - 5 Jaziri Es fehlt: Santos (Schienbein-Verletzung)

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