Deutsche Bitkom fordert Bildungsoffensive gegen Fachkräftmangel

29. Juni 2006, 10:24
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In der "Hightech-Strategie" komme jedoch der wichtigste Bestandteil, die Bildung, zu kurz

Die Informations- und Telekommunikationsbranche (ITK) in Deutschland hat sich besorgt über den Fachkräftemangel geäußert und von der Politik eine neue Bildungsoffensive gefordert.

Der Branchenverband Bitkom begrüßte am Donnerstag grundsätzlich die Initiative der Bundesregierung zur Stärkung der Innovationskraft. In der "Hightech-Strategie" komme jedoch der wichtigste Bestandteil, die Bildung, zu kurz, kritisierte Bitkom-Vizepräsident Walter Raizner, der zugleich Chef der Telekom Festnetzsparte ist. "Jede dritte ITK-Firma hat derzeit Probleme, qualifizierte Kräfte zu finden", sagte Raizner. Das klinge angesichts der hohen Arbeitslosigkeit absurd, zeige aber den Mangel des Bildungssystems. "Den Universitäten fehlen heute die Studienanfänger in den technischen Disziplinen und der Wirtschaft fehlen künftig die Ingenieure und Informatiker." Bund und Länder müssten eine neue Bildungsoffensive starten.

In Deutschland liege die Akademikerquote bei 20 Prozent, während sie im Durchschnitt der OECD-Länder 32 Prozent betrage, erläuterte Raizner. Zudem würden die technischen Fächer oft gemieden. Verschärft werde das Problem dadurch, dass die Quote von Frauen, die ein technisches Fach belegten, gering sei, gleichzeitig aber ihr Anteil an der Lehrerschaft hoch sei. Sie müssten stärker für technische Fächer begeistert werden. Die Hochschulen sollten autonom Studiengebühren erheben und nach Studiengängen differenzieren können. Auch eine Reform der Hochschulfinanzierung sei notwendig.

Die Bildungsoffensive müsse aber schon früher ansetzen. "Ein echter Skandal ist die schlechte Ausstattung der Schulen mit neuen Medien", sagte Raizner. Rechnerisch müssten sich in Deutschland 13 Schüler einen Computer teilen, im Durchschnitt der weltweit größten Industrienationen seien es sechs. Der Verband forderte daher eine Ausweitung des Unterrichts in technischen Fächern. Zudem müssten die Lehrer regelmäßig geschult werden, der Unterricht stärker an die Praxis angelehnt und die Ausstattung verbessert werden. Private Notebooks, die als Lehrmittel eingesetzt werden könnten, sollten steuerlich gefördert werden.

Zudem müssten ausländischen Fachkräften berufliche Perspektiven geboten werden. Bislang müssten Ausländer nach spätestens fünf Jahren wieder gehen, es sei denn sie verdienten rund 84.000 Euro jährlich, sagte Raizner. Diese Grenze müsse auf rund 50.000 Euro gesenkt werden und von einer ungeschränkten Arbeitserlaubnis für Ehepartner flankiert werden.(reuters)

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