In USA gilt 17. Zinserhöhung in Folge als ausgemacht

28. Juni 2006, 14:14
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Der für die Geldpolitik der Federal Reserve (Fed) verantwortliche Offenmarktausschuss tagt Mittwoch und Donnerstag

Washington - Gebannt starren die Anleger an den Finanzmärkten weltweit in die kommende Woche: Dann wird die US-Notenbank (Fed) am Donnerstag voraussichtlich zum 17. Mal in Folge den Leitzins erhöhen. Damit würde sich auch der weltweite Zins-Anstieg fortsetzen. Ob der US-Schlüsselzins dann mit 5,25 Prozent an seinem Höhepunkt angelangt ist, bleibt jedoch unter Volkswirten umstritten. Deshalb warten die Finanzmärkte wie üblich mit besonderer Spannung auf die erklärenden Worte der Währungshüter.

Der für die Geldpolitik der Federal Reserve (Fed) verantwortliche Offenmarktausschuss tagt am Mittwoch und Donnerstag. Wegen der zuletzt von den Währungshütern demonstrativ geäußerten Besorgnis über die jüngsten Preissteigerungen gilt es mittlerweile als ausgemachte Sache, dass die Fed die Zinsen um 25 Basispunkte erhöht. Die Notenbanker hatten angesichts der weltweiten Spekulationen über einen größeren Zinsschritt gleichzeitig durchblicken lassen, dass sie eine Erhöhung um einen halben Prozentpunkt nicht planen. Derzeit liegt der US-Leitzins mit 5,00 Prozent auf dem höchsten Niveau seit April 2001.

In den vergangenen Wochen hatte die Furcht vieler Investoren vor einer kräftigen Straffung der US-Geldpolitik zu herben Verlusten an den weltweiten Aktienmärkten geführt. Höhere Zinsen schmälern in der Regel die Gewinne der Firmen und die Kauflust der Verbraucher. Wegen der zuletzt unerwartet hohen Inflation in den USA ist die größte Sorge der Börsianer, dass die größte Volkswirtschaft der Welt an Schwung verliert und die Fed dennoch mit weiteren Zinserhöhungen einen zu starken Preisanstieg bekämpfen muss. Zwar wuchs die US-Wirtschaft Anfang des Jahres so stark wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr, dürfte jedoch nach einhelliger Meinung in diesem Jahr an Tempo verlieren.

Uneins über weiteres Vorgehen

Analysten sind sich völlig uneins darüber, ob die Fed nach der am Donnerstag erwarteten Zinserhöhung den Geldhahn weiter zudrehen wird und wenn ja, wie weit. Einige Analysten sehen den Zins-Gipfel bei 5,25 Prozent bereits erreicht, andere erwarten dagegen einen weiteren Anstieg auf bis zu 6,0 Prozent. Fed-Chef Ben Bernanke selbst hatte mit vergleichsweise zurückhaltenden Worten zuletzt die Furcht der Anleger gedämpft, dass die Fed das Geldausleihen zu stark verteuert. Bislang habe das teure Öl kaum einen Einfluss auf andere Preise gehabt, stellte Bernanke fest. Zudem befinde sich die Inflation immer noch im Rahmen der letzten Jahre, beruhigte der mächtigste Währungshüter der Welt, der am Jahresanfang die Nachfolge des legendären Alan Greenspan angetreten hatte.

Die US-Notenbanker hatten ihren Schlüsselzins in Folge des weltweiten Aktiencrashs bis Mitte 2003 auf 1,0 Prozent gesenkt und damit das Ausleihen von Geld so billig gemacht wie nie zuvor. Als die Wirtschaft den Schock zu überwinden begann, startete sie ein Jahr später mit ihrer noch laufenden Serie von Zinserhöhungen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) verhielt sich deutlich zurückhaltender als die Fed. Sie hatte ihren Schlüsselzins lediglich auf 2,0 Prozent gesenkt und ihn dort bis Ende vergangenen Jahres belassen. Nach mittlerweile drei Zinserhöhungen liegt der Satz bei nunmehr 2,75 Prozent. Viele Experten erwarten die nächste Zinserhöhung in der Euro-Zone im August und sagen in zum Jahresende einen Zins von 3,25 Prozent voraus. Auch in Japan dürften die Währungshüter in den kommenden Monaten ihre Null-Zins-Politik beenden, mit der sie jahrelang die dortige Deflation bekämpft hatten. (APA/Reuters)

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