Erderwärmung auf höchstem Stand seit 400 Jahren

22. Juni 2006, 19:10
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US-Akademie der Wissenschaften sieht die Hauptverantwortung bei den "Aktivitäten des Menschen"

Washington - Die Erwärmung der Erde hat laut einer Studie der US-Akademie der Wissenschaften den höchsten Stand seit 400 Jahren erreicht - wenn nicht gar seit 2.000 Jahren. Demnach stieg die Durchschnittstemperatur in der nördlichen Hemisphäre allein im Verlauf des 20. Jahrhunderts um etwa ein Grad Celsius. Als hauptverantwortliche Faktoren für diese Entwicklung nennt der am Donnerstag veröffentlichte Bericht "Aktivitäten des Menschen", die einem wirksamen Klimaschutz entgegen stünden.

Untersucht wurde die Temperaturentwicklung der vergangenen Jahrhunderte, soweit dies präzise möglich war. Demnach waren die Daten seit 1600 verlässlich genug, um eine kontinuierliche Erderwärmung zu konstatieren. Gleichwohl zeigten sich die Wissenschafter überzeugt, dass der Temperaturanstieg schon seit mindestens 1.000, wenn nicht 2.000 Jahren anhält. Allerdings soll es auch um das Jahr 1000 recht heiß gewesen sein, während von 1500 bis 1850 eine "kleine Eiszeit" registriert wurde.

Treibhausgase

Zu keinem Zeitpunkt habe die Erwärmung allerdings so rasant zugenommen wie im 20. Jahrhundert, betonen die Autoren der Studie. Dafür wurden die Treibhausgase Kohlendioxid und Methan verantwortlich gemacht. Diese kamen im Zeitalter der fortschreitenden Industrialisierung immer stärker zum Einsatz, während ihr Ausstoß in 12.000 Jahren zuvor mehr oder weniger konstant war. Im Zeitraum zwischen dem ersten Jahrhundert und dem Jahre 1850 waren dagegen nur Vulkanausbrüche und Fluktuationen in der Sonnenstrahlung für Temperaturschwankungen verantwortlich.

Auftraggeber

Die Studie wurde vom wissenschaftlichen Ausschuss des Kongresses in Washington in Auftrag gegeben. Der republikanische Vorsitzende Sherwood Boehlert wollte damit dem Ausschuss für Energie und Handel entgegen treten, der den Klimawandel wiederholt heruntergespielt hat. Auch die Regierung von US-Präsident George W. Bush macht geltend, die Erderwärmung sei nicht stark genug, um Maßnahmen zu rechtfertigen, die fünf Millionen Arbeitsplätze kosten könnten. So wollen die USA auch das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz nicht ratifizieren.

Bei einem Seminar zum Klimawandel am Amtssitz des britischen Premierministers Tony Blair erklärte der frühere US-Vizepräsident Al Gore, die Bevölkerung der USA werde sich immer stärker der Gefahren einer fortschreitenden Erderwärmung bewusst. Die Wähler würden deshalb die Politiker dazu drängen, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, sagte Gore der BBC in London. (APA/AP)

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    Eine US-Studie macht den Menschen für die jüngste Erderwärmung hauptverantwortlich.

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