Entschlüsselung des "Mechanismus von Antikythera" schreitet voran

3. Juli 2006, 13:45
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Inzwischen sind rund 95 Prozent des Textes bekannt - Riesenscanner enthüllte das Innenleben der astronomischen Rechenmaschine

Athen - Es hat die Größe eines Schuhkartons, ist aus Bronze und stellt die Forschung seit Jahrzehnten vor Rätsel. Von den Entschlüsselungsarbeiten rund um den mysteriösen "Mechanismus von Antikythera" haben wir bereits Anfang Juni berichtet, zunehmend werden aber Details zu den Forschungsfortschritten und -ergebnissen bekannt.

Inzwischen wurden mehr als zweitausend Schriftzeichen von den Forschern freigelegt und weitgehend entziffert, berichtet der griechische Physiker Iannis Bitsakis. Damit seien jetzt rund 95 Prozent des Textes bekannt. Die Methode: Mit einem acht Tonnen schweren Scanner haben Wissenschafter das Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckte Gerät durchleuchtet - und es als älteste astronomische Rechenmaschine der Welt identifiziert.

Innenleben

Mehr als hundert Jahre nach ihrer Entdeckung in einem gesunkenen römischen Schiff vor der griechischen Insel Antikythera gibt die mysteriöse Maschine nun also nach und nach ihre Geheimnisse preis. Das Innenleben des Mechanismus, der aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert stammt: Fünf Ziffernblätter, bewegliche Zeiger und rund dreißig Zahnräder, die vermutlich mit einer Kurbel bedient wurden, entdeckten britische und griechische Forscher bei ihren gemeinsamen Arbeiten.

Das aus drei Bronze-Fragmenten bestehende Gerät, das etwa die Dimensionen einer 20 Zentimeter großen Schachtel hat, "muss eine Seltenheit, wenn nicht sogar ein Unikat sein", glaubt der Astrophysiker Xenophon Moussas.

Erste Studien

Dass es sich bei dem Apparat um einen astronomischen Rechner handeln müsse, hatte schon eine erste große Studie in den sechziger Jahren vermutet. Demnach konnten mit der Maschine wahrscheinlich Positionen von Sternen errechnet werden, auf jeden Fall die von Mond und Sonne sowie vielleicht sogar astronomische Erscheinungen vorausberechnet werden, so Moussas.

Doch das Geheimnis des Mechanismus ist damit noch lange nicht gelüftet. "Das Puzzle, das wir zusammensetzen müssen, hat sehr viel mit den Kenntnissen in Astronomie und Mathematik in der Antike zu tun", sagt Moussas. "Vielleicht wird dieser Apparat einige Kapitel der antiken Geschichte neu schreiben." Auch Bitsakis sieht die größte Herausforderung darin, "den Mechanismus in einen wissenschaftlichen Zusammenhang zu bringen. Er kommt für uns wie aus dem Nichts und widerspricht den vorherrschenden Thesen über die geringen technischen Kenntnisse der griechischen Antike".

Zugänge

Dabei helfen sollen auch Untersuchungen an anderen Gegenständen, die mit dem Apparat auf dem gesunkenen römischen Schiff gefunden wurden. So wollen die Wissenschaftler Hypothesen überprüfen, die auf Berichten Ciceros beruhen und den Mechanismus dem griechischen Philosophen Poseidonios zuschreiben. Dieser hatte auf Rhodos eine angesehene Stoiker-Schule gegründet. "Rhodos und Alexandria waren große Zentren der Astronomie", erzählt Moussas, "vielleicht brachte das Schiff auf diesen Inseln geplünderte Schätze nach Rom zurück". Die gesamten Forschungsergebnisse sollen bei einer großen Konferenz Ende November in Athen präsentiert werden.

Reisen muss der Mechanismus für die Forschungen nicht: Er ist im Archäologischen Museum in Athen ausgestellt und welche Untersuchungen auch immer an ihm vorgenommen werden sollen - sie werden wie bei dem Acht-Tonnen-Scanner so organisiert, dass das wertvolle Stück nicht beschädigt wird. (APA)

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    Der mysteriöse "Mechanismus von Antikythera"

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