Spinnenfäden in 110 Millionen Jahre altem Bernstein entdeckt

22. Juni 2006, 20:00
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26 Fäden wurden mit Milbe und Käfer konserviert

Washington/New York - Spinnen haben ihr feines Netz schon gesponnen, als die Dinosaurier noch über die Erde trampelten. Das dokumentiert das bisher älteste entdeckte Spinnennetz mit Beute, das jetzt in Spanien entdeckt wurde.

Ein 110 Millionen Jahre alter Bernstein konservierte 26 Spinnenfäden, das Bein einer Wespe, eine Milbe und einen Käfer. Genetische Untersuchungen von US-Forschern bestätigen, dass Spinnen ihre Opfer sogar schon seit 136 Millionen Jahre in jenem kunstvollen Netz fingen, das die Form eines Wagenrads hat.

"Architektur im Tierreich"

"Ein beeindruckendes Beispiel von Architektur im Tierreich", schreiben Jessica Garb und Kolleginnen von der Universität von Kalifornien in Riverside im Fachjournal "Science" (Bd. 312, S. 1762) vom Freitag. Trotz ihrer hauchdünnen Fäden sind diese Netze in der Lage, der Aufprallwucht fliegender Insekten standzuhalten.

Zwei Spinnenfamilien, Araneoidea und Deinopoidea, beherrschen die Kunst, wagenradförmige Netze zu spinnen. Die eine benutzt einen körpereigenen "Klebstoff", um ihre Beute festzuhalten, die andere "trockene Fasern". Der Verdacht, dass beide Familien das Spinnen unabhängig von einander entwickelten, erwies sich in der genetischen Studie der Amerikaner als falsch.

Der spanische Bernstein sei der älteste Fund eines Spinnennetzes und darin gefangener Tiere weltweit, sagte David Grimaldi vom Amerikanischen Museum für Naturgeschichte in New York, der an der spanischen Studie beteiligt war (Bd. 312, S. 1761).

Bislang älteste Spinne

Die bisher älteste entdeckte Webspinne spannte ihr Netz vor rund 120 Millionen Jahren. Das Fossil - ein nur rund zwei Millimeter langes Männchen mit acht Augen in zwei Reihen - präsentierte kürzlich ein Team um David Penney von der Universität in Manchester ("Biology Letters" der Royal Society, DOI: 10.1098/rsbl.2006.0506). Spinnen lebten Penney zufolge demnach zu einer Zeit, als sich die Blütenpflanzen und mit ihnen die bestäubenden Insekten stark ausbreiteten. (APA/dpa)

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