Alternative Bruchlandung für Jets

24. Juni 2006, 19:00
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Sprengkörper sollen Flügel abbrechen und so für sicherere Landung sorgen - Experten bezweifeln Umsetzung

Bangkok - Ein thailändischer Erfinder will die Notlandung von Passagierflugzeugen noch sicherer machen, indem der Jet auf besondere Art und Weise auf den "Touch-down" vorbereitet werden soll: Mithilfe von Sprengkörpern soll ein Flügel abgebrochen und das Flugzeug damit in eine horizontale permanent nach unten kreisende Bewegung gebracht werden. Geht es nach Polchai Phanumpai könnten damit mehr Menschenleben gerettet werden. Das Patent wurde beim US-Patent & Trademark Office angemeldet, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist.

Wenn Jets notlanden und keine Rollbahn zur Verfügung steht, versuchen Piloten möglichst gerade auf einer freien Fläche aufzusetzen, so dass eventuelle Kollisionen mit Gebäuden oder anderen Einrichtungen verhindert werden. Phanumpais Erfindung basiert auf der Idee das Flugzeug wie einen landenden Helikopter nach unten zu bringen. Nach Berechnungen des Erfinders würde die Geschwindigkeit mit der das Flugzeug zu Boden geht sogar relativ gering sein.

Kritiken

Kritiker merken allerdings an, dass die rasend schnellen Kreisbewegungen möglicherweise mehr Schaden an den Passagieren anrichten als eine Notlandung auf freiem Feld. Kritisch äußerte sich auch der Flugzeugexperte Jörg Schwingeler, Geschäftsführer der Intersky, im pressetext-Interview. "Das Vorhaben scheitert schon daran, dass dazu Sprengmittel an Bord eines Flugzeugs vorhanden sein muss." Selbst wenn man diese Tatsache ausschließe komme noch eine Reihe großer technischer Probleme hinzu. "Da die beiden Flügel in einem Stück auf den Rumpf gesetzt sind - bei Schulterdeckern wie der Dash-Bombadier ist dies deutlich sichtbar - könnte eine Sprengung eines Flügels dazu führen, dass der ganze Rumpf auseinander bricht." Dabei würde ein immenser Druck auf den Rumpf ausgeübt.

Der Experte bezweifelt, dass dieses System in der Praxis funktioniert. Die Erfindung sei möglicherweise bei bestimmten Kleinflugzeugen anwendbar, sicherlich nicht auf Passagierflugzeugen im Linienverkehr, meint Schwingeler abschließend im pressetext-Gespräch. (pte)

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New Scientist: Invention: spinning touchdown
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