Wittgenstein-Preis der Forschungsgemeinschaft an Helmut Rauch

3. Juli 2006, 13:51
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Kernphysiker war langjähriger Atominstituts-Leiter

Wien - Der Ludwig-Wittgenstein-Preis der Österreichischen Forschungsgemeinschaft geht heuer an den österreichischen Kernphysiker und langjährigen Leiter des Atominstituts der Österreichischen Universitäten, Helmut Rauch (67). Die Auszeichnung, die nichts mit dem kürzlich bekannt gegebenen Wittgenstein-Preis des Bildungsministeriums zu tun hat, wird "aus gegebenem Anlass, jedoch höchstens einmal im Jahr" für die hervorragende Leistung einer Persönlichkeit oder ein hervorragendes Werk auf wissenschaftlichem Gebiet vergeben. Die Preisverleihung findet am 7. Oktober in Wien statt.

Biografisches

Rauch wurde am 22. Jänner 1939 in Krems (NÖ) geboren. Er studierte technische Physik an der Technischen Universität (TU) Wien, wo er 1965 promoviert wurde. Fünf Jahre später erfolgte die Habilitation für das Fachgebiet Neutronen- und Reaktorphysik. 1972 wurde Rauch zum Professor für experimentelle Kernphysik an der TU Wien und zum Vorstand des Atominstituts der Österreichischen Universitäten berufen, eine Funktion, die er bis 2005 inne hatte. Von 1991 bis 1994 war Rauch zudem Präsident des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF).

Forschungserfolg

1974 gelang Rauch mit dem von ihm entwickelten Neutronen-Interferometer der erstmalige Nachweis von Materiewellen auf makroskopischem Maßstab. Rauch hat eine Vielzahl an Schülern hervorgebracht, die weiterhin auf diesem Gebiet arbeiten und es weiterentwickeln. Auch ein Teil von Anton Zeilingers spektakulären Experimenten steht in der Tradition seines Doktorvaters Rauch. Der Physiker soll für seine Arbeiten immer wieder für den Physik-Nobelpreis nominiert gewesen sein. Und als 1994 der Kanadier Bertram N. Brockhouse und der US-Forscher Clifford G. Shull den Nobelpreis für die Enthüllung der Struktur und Dynamik der Materie und die Entwicklung von Neutronenstreuungstechniken erhielten, meinte viele, dass es sich Rauch durchaus verdient hätte, der dritte im Bunde der Laureaten zu sein.

Symposium

Zu Ehren von Helmut Rauch veranstaltet die Österreichische Forschungsgemeinschaft am Tag vor der Preisverleihung, am 6. Oktober, ein Symposium an der Technischen Universität Wien, an dem u.a. Wolfgang Kummer, Peter Zoller, Heinrich Kurz und Anton Zeilinger teilnehmen.

Bisherige Ludwig-Wittgenstein-Preisträger waren Ernst H. Gombrich (1988), Viktor F. Weisskopf (1990), Oleh Hornykiewicz (1993), Ottokar Uhl (1996), Hermann A. Haus (1997), Peter L. Berger (2000) und Hans Tuppy (2002) und Carl E. Schorske (2004). (APA)

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