ÖGB-Vize Hostasch: Parlament ohne Gewerkschafter "gefährlich"

25. Juni 2006, 09:49
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Stellvertetende Präsidentin: "Wichtig, dass Arbeitnehmer im gesetzgebenden Gremium des Landes Sitz und Stimme haben"

Wien - Die frühere ÖGB-Vizepräsidentin Lore Hostasch ist über den Plan von SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer, ohne Spitzengewerkschafter in die Nationalratswahl im Herbst zu gehen, nicht erbaut. In den Augen von Lore Hostasch, die selbst langjährige SP-Abgeordnete war, ist es "ein bisschen gefährlich", damit zu beginnen, "bestimmte Gruppen der Bevölkerung von politischen Mandaten auszuschließen".

"Was ist dann der nächste Schritt?", warnte Hostasch am Donnerstag. "Ich habe es immer als wichtig, notwendig und gut angesehen, wenn Vertreter der Arbeitnehmer im gesetzgebenden Gremium dieses Landes Sitz und Stimme haben", sagte Hostasch. Das Parlament solle ihrer Meinung nach schon ein repräsentatives Spiegelbild der Gesellschaft abbilden.

Kein Kommentar zur Debatte an der SPÖ-Spitze

Die aktuellen Debatten an der SPÖ-Spitze kommentiert Hostasch nicht, weil als ehemalige Abgeordnete eben "vorbelastet". Rudolf Hundstorfers Schritt, als ÖGB-Präsident auf ein Mandat im Nationalrat zu verzichten und somit nicht als Spitzenkandidat für die Wiener SPÖ zur Verfügung zu stehen, sieht sie als dessen "persönliche Entscheidung", die sie zur Kenntnis zu nehmen habe und zu respektieren.

Jeder Bürger sei vor dem Gesetz gleich, betont Hostasch. Sie selber glaube, als direkte Abgeordnete im Parlament und damals auch als Vorsitzende des Sozialausschusses Erfolg gehabt zu haben. Sie hätte sich so besser durchsetzen können, als wenn sie sich dafür eines Dritten bedienen hätte müssen, der im Parlament ist.

Hostasch hat ihre Karriere in der BAWAG begonnen. Von 1991 bis 1995 war sie selber Vizepräsidentin des ÖGB. Seit Oktober 2003 ist sie unter anderem Vorsitzende der Zentralen Kontrollkommission des ÖGB. Für die Fraktion Christlicher Gewerkschafter sitzt Manfred Wiedner in der siebenköpfigen Kommission. Er sieht die Sache mit Gewerkschaftern im Parlament anders als Hostasch: Seiner Meinung nach ist das Bekenntnis zum parteiunabhängigen ÖGB mit Klubzwang nicht vereinbar. (APA)

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