Pressestimmen: "Ungleiche Partner in Wien"

22. Juni 2006, 14:48
posten

"Il Messaggero": USA und Europa sind sich näher als erwartet - "Tages-Anzeiger": Bush ist eine Hypothek

Jerusalem/Rom/Genf - Internationale Tageszeitungen kommentieren in ihren Donnerstag-Ausgaben den Besuch von US-Präsident George W. Bush beim EU-USA-Gipfel in Wien.

  • "Il Messaggero" (Rom):

    "Auch dem Schatten von Guantánamo ist es nicht gelungen, die neue Transparenz in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa zu verdunkeln. Das Gefängnis, in dem seit vier Jahren etwa 400 angebliche Terroristen festgehalten werden, war zwar zum Abschluss des Gipfeltreffens zwischen US-Präsident George Bush und Vertretern der Europäischen Union ein Thema - aber es ist nicht zum Auslöser eines Bruches geworden. Am Ende der Treffen in Wien wird deutlich, dass sich die Vereinigten Staaten und Europa bei allen brennenden Problemen des Augenblicks näher sind, als man annehmen könnte - und das trotz der Meinungsumfragen, die eine große Unzufriedenheit seitens der europäischen Völker gegenüber den USA zeigen."

  • "Tages-Anzeiger" (Zürich):

    "Ironischerweise helfen ausgerechnet die Mullahs in Teheran, das brüchig gewordene transatlantische Verhältnis zu kitten, da sich der US-Präsident beim Zwist über das iranische Atomprogramm den Europäern auf der Suche nach einer diplomatischen Lösung angeschlossen hat. Nach den Gräben, die das irakische Abenteuer aufriss, führt Pragmatismus die Partner nun eher zueinander, ohne indes weiter bestehende Probleme zu übertünchen. (...) Überdies kann die neue Nüchternheit im transatlantischen Dialog nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Person des US-Präsidenten zu einer Belastung geworden ist. In Europa unbeliebt wie keiner seiner Vorgänger, behindert Bush die Rückkehr zu transatlantischer Normalität und damit zu einer historischen Freundschaft."

  • "Neue Zürcher Zeitung":

    "Bei Licht besehen waren die Teilnehmer höchst ungleich. Auf der einen Seite die Vereinigten Staaten, auf der andern die Führungsspitze einer Union, die außenpolitisch bestenfalls bruchstückhaft handlungsfähig ist und deren Mitgliedstaaten auch schon einiger waren, als sie es zurzeit sind. Die EU ringt um politische Einheit und Gestalt und weiß nicht, wie sie beides erlangen soll. Zwar hat auch Amerika seine inneren Zerwürfnisse, doch lähmen diese seltener das Rollenspiel auf der Weltbühne." (APA/dpa)

    Share if you care.