Gewerkschaftsliste bei SAP-Betriebsratswahl abgeschlagen

29. Juni 2006, 10:24
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64,8 Prozent der rund 10.700 wahlberechtigten SAP-Beschäftigten in Deutschland gaben ihre Stimme ab

Bei der ersten Betriebsratswahl in der 34-jährigen Unternehmensgeschichte des Softwarekonzerns SAP ist die gewerkschaftsnahe Liste weit abgeschlagen auf dem dritten Platz gelandet.

64,8 Prozent der rund 10.700 wahlberechtigten SAP-Beschäftigten gaben ihre Stimme ab

In dem Urnengang am Mittwoch gaben 64,8 Prozent der rund 10.700 wahlberechtigten SAP-Beschäftigten ihre Stimme ab, wie das Unternehmen nach der Auszählung am Donnerstag bekannt gab. Die den Gewerkschaften IG Metall und Verdi nahe stehende Liste "Pro Betriebsrat" kam nur auf 8,9 Prozent der abgebenen Stimmen und kann drei der 37 Betriebsräte stellen. Die Liste "Wir für Dich" vereinigte mit mehr als 39 Prozent die meisten Stimmen auf sich und stellt 16 Betriebsräte. Auf dem zweiten Platz landete die Liste "MUT".

Einfluss der Gewerkschaften aus dem Konzern herauszuhalten

Auf den beiden Listen hatten fünf der acht Arbeitnehmervertreter im SAP-Aufsichtsrat kandidiert, die bisher die Belegschaftsinteressen wahrgenommen hatten. Drei Mitglieder dieses Gremiums hatten sich nicht für den Betriebsrat aufstellen lassen. Unternehmensgründer Dietmar Hopp hatte die Mitarbeiter aufgefordert, den Einfluss der Gewerkschaften aus dem Konzern herauszuhalten.

90 Prozent

Bei der von der Belegschaft im Frühjahr noch mit mehr als 90 Prozent abgelehnten Betriebsratswahl waren auf zehn Listen rund 400 Kandidaten angetreten. Der ersten Betriebsratswahl bei SAP waren jahrelange vergebliche Versuche der IG Metall und Verdi vorausgegangen, die übliche gesetzliche Arbeitnehmervertretung zu installieren. Neben der Mehrheit der Beschäftigten hatte sich auch der Vorstand von SAP lange gegen die Einrichtung gewehrt und auf die besondere Firmenkultur und die Interessenvertretung über den paritätisch besetzten Aufsichtsrat verwiesen. In Gang gesetzt hatten den Prozess drei SAP-Beschäftigte mit Unterstützung der Gewerkschaft IG Metall. Sie drohten, SAP auf juristischem Weg zu einer Betriebsratswahl zu zwingen, da sie die Vertretung im Aufsichtsrat als ungenügend ansahen. Daraufhin nahmen die Arbeitnehmer-Aufsichtsräte die Vorbereitung der Wahl selbst in die Hand. Der Vorstand verzichtete auf Gegenmaßnahmen.

Weltweit 36.000 Mitarbeiter

Weltweit arbeiten 36.000 Mitarbeiter für SAP. In Deutschland beschäftigt der Konzern 14.000 Menschen, wovon jedoch nur die Beschäftigten der SAP AG wahlberechtigt waren.(Reuters)

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