Grazerin erschlug Söhne mit Axt: Mordprozess muss wiederholt werden

23. Juni 2006, 09:34
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Oberster Gerichtshof hob Urteil auf - Geschworenen haben Zurechnungsfähigkeit nicht ausreichend begründet

Graz - Jener Prozess, in dem eine Grazerin im Dezember 2005 wegen Mordes an ihren beiden Söhnen verurteilt worden ist, muss wiederholt werden. Der Oberste Gerichtshof hat der Nichtigkeitsbeschwerde stattgegeben und das Urteil aufgehoben. Im ersten Verfahren wurde die Frau für zurechnungsfähig erklärt und zu 15 Jahren Haft verurteilt. Außerdem wurde die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verfügt.

Die Geschworenen hatten die 45-Jährige, die ihre beiden Söhne im Alter von 14 und 17 Jahren im Schlaf mit einer Hacke erschlagen hat, für zurechnungsfähig befunden. Laut Gutachten des Psychiaters Peter Hofmann war die Angeklagte allerdings schuldunfähig gewesen, da sie unter schweren psychotischen Depressionen gelitten hat.

Trotzdem appellierte Staatsanwalt Johannes Winklhofer an die Geschworenen, die Frau für zurechnungsfähig zu erklären, damit sie verurteilt werden könne und nicht nur in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen würde. Nur damit wäre gewährleistet, dass sie nicht schon in einem Jahr als geheilt entlassen werden könne. "Sie hat in einer Wahnidee gehandelt", betonte der Ankläger bei der Hauptverhandlung.

Grund für die Entscheidung des OGH war, dass die Geschworenen nicht ausreichend begründet hatten, warum sie sich anders entscheiden hatten, als es das psychiatrische Gutachten vorgegeben hat. Nun müssen acht neue Laienrichter samt neuem Richtersenat (Vorsitz: Wolfgang Wladkowski) den ganzen Prozess inklusive Zeugen nochmals aufrollen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft könnte die Verhandlung bereits im Juli stattfinden. (APA)

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