Vom Schnitzel zur Bionudel

19. Oktober 2006, 20:35
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Die Österreicher ernähren sich immer biologischer und gesünder, ergab eine Studie im Auftrag einer Bio-Linie - Ernährungs- und Ökoexperten relativieren

Wien - Gut schmecken soll es, gesund, aber nicht teuer soll es sein - und beim Besitzer des vollen Bauches kein schlechtes Gewissen hinterlassen. Die Rede ist vom Essen, das laut einer im Auftrag der Biomarke Ja! Natürlich erstellten Studie die Österreicher in Zukunft noch biologischer haben möchten.

Mehr Bio ins Regal

2015 sollten in den Handelsregalen tunlichst mehr Bioprodukte stehen, wünschte sich eine Mehrheit von 90 Prozent der insgesamt 1503 vom market-Meinungsforschungsinstitutes Befragten. Zwei Drittel von ihnen - so Studienleiter und market-Vorstand David Pfarrhofer - hätten sich schon in der Jetztzeit als Biofreunde geoutet: "Sie konsumieren Öko-Produkte mehrmals pro Woche."

Sparsam mit Ungesundem

Doch nicht nur an Schadstoffen, auch an Fetten, Kohlehydraten und weißem Zucker sparten Österreichs Esser zusehends Pfarrhofer: "Hochgerechnet zwei Millionen Österreicher haben in den letzten Jahren ihr Ernährungsverhalten umgestellt"- vom "Schnell- und Bequem-"sowie "Traditions-Typ"zum "Natürlich-Gesund-Typ"vor allem, dem sich mittlerweile 35 Prozent aller Österreicher zugehörig betrachten - eigenen Angaben zufolge.

Auf Anfrage gesünder

Hier genau befinde sich der Pferdefuß, merkt Karl-Heinz Wagner, stellvertretender Leiter des Wiener Instituts für Ernährungswissenschaften, an: "Wenn man die Menschen, was ihre Essgewohnheiten betrifft, nach ihrer Selbsteinschätzung fragt, so stellen sie diese gesundheitsfördernder dar, als sie tatsächlich sind". Wichtig seien Überprüfungstechniken, etwa, indem man die Befragten auffordere, Ernährungsprotokolle zu führen - "und nachfragt, wenn jemand etwa angegeben hat, pro Tag nur ein Viertel Flüssigkeit zu sich zu nehmen".

Unterschied Stadt - Land

Zwar - so Wagner - gebe es den Trend zum biologischen und gesünderen Essen durchaus: Bei jüngeren Menschen in der Stadt vor allem, die auch dafür verantwortlich seien, dass im österreichischen Durchschnitt 2005 die Nudel das Schnitzel als Lieblingsspeise überholt hat.

Eine große Mehrheit von 70 Prozent Männern und 50 Prozent Frauen im Land ziehe jedoch weiterhin Hausmannskost mit "viel Fleisch, viel Fett, viel Zucker"vor. Kombiniert mit der zunehmenden Bewegungsarmut - wiederum vor allem in Städten ein Problem - führe das zu dem immer tragkräftigeren Problem des Massen-Übergewichts.

Rosige Zukunft

Auch Wilfried Oschischnig, Sprecher des heimischen Ökolandwirtschafts- und Händlerverbands Bio Austria, sieht für gesund produzierte Produkte eine rosige Zukunft. Immerhin habe man in Österreich 2005 "die Schallmauer von 500 Millionen Euro Bioabsatz durchbrochen". Damit liege Österreich beim Biokonsum EU-weit voran - "aber insgesamt beträgt der Ökoanteil dennoch nur 4,2 Prozent des gesamten Lebensmittelmarkts". (DER STANDARD, Printausgabe, bri, 22.06.2006)

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