Studiengebühren als "reine Geld- beschaffungsaktion"

21. Jänner 2007, 20:24
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Hochschulforscher Pechar: Keine Verbesserung der Studienbedingungen, aber auch keine soziale Hemmschwelle

Wien - Studiengebühren haben nicht als soziale Hemmschwelle gewirkt und auch keinen Rückgang bei den Studentenzahlen bewirkt, wie dies vielfach befürchtet wurde. Das erklärte der Hochschulforscher Hans Pechar von der Uni Klagenfurt Mittwoch Abend bei einer Podiumsdiskussion zum Thema "Fünf Jahre Studiengebühren - eine Bilanz" in Wien. Einig war sich Pechar mit der Wirtschaftsforscherin Gudrun Biffl, dass die Einführung von Studiengebühren in Österreich eine reine Geldbeschaffungs-Aktion gewesen sei.

Mehr Studierende

Es habe zwar einen kurzen Einbruch bei den Anfängerzahlen nach Einführung der Studiengebühren im Wintersemester 2001 gegeben, mittlerweile habe man aber schon zehn Prozent mehr Studienanfänger als 2000, und das trotz sinkender Geburtenzahlen und Konkurrenz der Fachhochschulen. Es gebe auch keine Anzeichen einer Änderung der sozialen Zusammensetzung der Studierenden, begründete Pechar seine Ansicht. Auch in den 30 Jahren mit gebührenfreiem Studium sei der Anteil aus einkommensschwachen und bildungsfernen Schichten an den Unis nicht gestiegen, sagte Pechar bei dem von der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung der Uni Klagenfurt, Ö1 und der "Zeit" organisiertem "Hochschulpolitischen Forum".

Studiengebühren werden höher

Pechar ist überzeugt, "dass wir weiter mit Studiengebühren leben müssen". Angesichts des allgemeinen Trends zu sinkenden Abgabenquoten, dem sich auch die Oppositionsparteien anschließen würden, müsse man sich fragen, wie man die Hochschulen vernünftig finanzieren könne. Dabei hält der Experte die Gebühren von 363,36 Euro im Semester für einen "sehr geringen Betrag", man sollte sich darauf einstellen, dass dieser spätestens in der übernächsten Legislaturperiode erhöht werde.

Gemeinsam mit Gudrun Biffl vom Wirtschaftsforschungsinstitut kritisierte Pechar, dass sich die Studienbedingungen trotz Einführung der Studiengebühren nicht verbessert hätten. Biffl ortet eine "höchst ineffiziente Organisation". Durch diverse Warteschleifen verlängere sich die Studiendauer, um Plätze werde sogar "gewürfelt". Biffl kritisierte zudem, dass Österreich im internationalen Vergleich am unteren Ende der Skala beim Uni-Zugang liege, während andere Länder möglichst viele eines Altersjahrgangs an die Unis bringen wollen. Ein Grund dafür sieht sie in zahlreichen "Selektionsmechanismen", die bereits in der Schule beginnen würden.

Ablehnung durch ÖH

Als weiteren Mangel des derzeitigen Systems nannte Pechar die Tatsache, dass Studenten, die aus welchen Gründen auch immer nicht voll studieren, den ganzen Betrag zahlen müssten. Hier müsste es die Möglichkeit eines Teilzeitstudiums geben, bei dem auch nur ein Teil der Gebühren bezahlt werde.

Für die Österreichische Hochschülerschaft machte Georg Hufgard die prinzipielle Ablehnung der Gebühren klar. Die Unis seien öffentliche Institutionen, die von der Allgemeinheit bezahlt würden und daher auch allgemein offen stehen sollten. Bei der letzten Studierendensozialerhebung 2002 hätten 40 Prozent der Studenten erklärt, auf Grund der Gebühren ihre Berufstätigkeit ausweiten zu müssen. Durch die verstärkte Berufstätigkeit würden sich auch die Studienzeiten verlängern.

Dass sich die Studienbedingungen vor allem an großen Universitäten und Fächern nicht verbessert haben, musste auch Studierendenanwalt Josef Leidenfrost eingestehen. Verbessert habe sich seit Einführung der Studiengebühren aber das Interesse der Studenten an ihren Rechten und Pflichten, und es gebe auch eine höhere Verbindlichkeit beim eigenen Studienverhalten. (APA)

  • "Wir werden weiter mit Studiengebühren leben müssen", ist Hochschul­forscher Pechar überzeugt.
    foto: standard/christian fischer

    "Wir werden weiter mit Studiengebühren leben müssen", ist Hochschul­forscher Pechar überzeugt.

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