Urteil im Söldener Seilbahn-Unglück

22. Juni 2006, 18:45
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15 Monate bedingt für Hubschrauberpilot - Betonkübel stürzte auf das Tragseil der Bahn - neun Personen darunter sechs Kinder starben

Innsbruck - Nach dem folgenschweren Unglück von Sölden vom vergangenen September wurde am Donnerstag das Urteil für den Hubschrauber-Pilot vor dem Innsbrucker Landesgericht verkündet: 15 Monate bedingt. Der unfall hat neun Todesopfer, darunter sechs Kinder im Alter zwischen zwölf und 14 Jahren und neun zum Teil schwer Verletzte gefordert. Das Verfahren wurde von zahlreichen Angehörigen und Überlebenden, die aus Deutschland angereist waren, mit Interesse verfolgt. Auch viele Medienvertreter aus dem In- und Ausland wohnten der Verhandlung bei.

680 Kilo-Betonkübel verloren

Markus J. soll bei einem Transportflug mit einem Hubschrauber entgegen der Verordnung die in Betrieb befindliche Seilbahnanlage überflogen haben. Durch eine vermutete Fehlfunktion der Auslösevorrichtung hat der Pilot einen Metallkübel mit 680 Kilo Beton samt Lastengehänge verloren. Der Kübel stürzte aus großer Höhe auf den Förderstrang der Liftanlage. Dadurch ist das Seil in starke Schwingung geraten und hat eine besetzte Gondel vom Förderseil gerissen und aus rund zehn Metern Höhe in die Tiefe gerissen. Zwei weitere Gondeln, in denen sich weitere Fahrgäste befanden, wurden derart aufgeschaukelt, dass sieben Personen durch die Scheiben aus ihrer Kabine geschleudert wurden.

"Es war aus meiner Sicht die beste Route"

Der bisher unbescholtene Pilot bekannte sich zu Beginn seiner eineinhalb Stunden dauernden Einvernahme nicht schuldig. Bei der von ihm gewählten Flugroute über die Seilbahn habe er kein Problem gesehen. "Es war aus meiner Sicht die beste Route", sagte er. "Alles andere war undenkbar." Er hätte ansonsten die Piste oder Wege, auf denen überall Personen unterwegs gewesen seien, überfliegen bzw. zu steil mit dem Hubschrauber aufsteigen müssen. Der Betriebsleiter der Gletscherbahn habe auf seine Frage hin erklärt, dass er über die Seilbahn fliegen dürfe, aber auf Grund eines Skitrainings nicht über den oberen Teil der Piste. Die Bahn oder Teile der Piste während der Transportflüge zu sperren bzw. außerhalb der Betriebszeiten zu der Baustelle zu fliegen, dies sei "kein Thema" gewesen.

"Es tut mir sehr, sehr leid, was passiert ist", sagte Markus J. nach entsprechender Aufforderung eines Privatanklägers: "Ich hätte alles getan, um es rückgängig zu machen."

Zur Flugroute gab es keine Alternative

Auch für den Chef des betroffenen Salzburger Hubschrauber-Unternehmens, Roy Knaus, habe es zu der von dem Piloten gewählten Flugroute keine Alternative gegeben. Überlegungen, die Seilbahn während der Flüge einzustellen, seien ihm nicht bekannt. "Man hat damals nicht geglaubt, dass so ein Unglück geschehen kann", meinte er. Den Piloten, der nach wie vor für ihn arbeite, schätze er als "verantwortungsbewusst und sorgfältig" ein.

Flasche Route oder "Verkettung unglücklicher Umstände"

"Die Folgen dieses Unfalls sind schwerwiegend", erklärte Staatsanwältin Silvia Geymayer. Der Pilot dürfe keine Route wählen, bei der Sachen oder Personen auf der Erde gefährdet werden könnten. "Jeder Flugbetrieb stellt eine gewisse Gefährdung wie Autofahren - dar", betonte hingegen Verteidigerin Andrea Haniger-Limburg: Eine "Verkettung unglücklicher Umstände macht den Piloten zum Opfer des Schicksals". (APA)

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