Auslosung und Eröffnung der Tage der deutschsprachigen Literatur

22. Juni 2006, 01:31
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Sigrid Behrens, Bodo Hell und Silvio Huonder sind das Eröffnungstrio - Festredner Raoul Schrott ortet Paradoxa

Klagenfurt - Nach einer überlangen Eröffnung und der gebührenden Würdigung des 30-jährigen Jubiläums des Bachmann-Preises wurde am Mittwochabend die Reihenfolge des Donnerstag um 9.00 Uhr beginnenden Wettlesens ausgelost. Die beiden österreichischen Autoren Bodo Hell und Hanno Millesi sind am Donnerstag bzw. Freitag an der Reihe, die undankbare Nummer Eins zog Sigrid Behrens.

Die Reihenfolge: Donnerstag: Sigrid Behrens, Bodo Hell, Silvio Huonder, Clemens Meyer, Angelika Overath, Kevin Vennemann und Andreas Merkel. Freitag: Claudia Klischat, Thomas Melle, Dirk von Petersdorff, Paul Brodowsky, Annette Mingels, Hanno Millesi und Norbert Scheuer. Samstag: Katja Huber, Kathrin Passig, Kai Weyand und Ina Strelow.

"Einweihung in den Literaturbetrieb"

Mit Raoul Schrott hat ein prominenter Schriftsteller den Eröfffungsredner gegeben. Der Literat zog das Wettlesen ein wenig durch den Kakao und spielte in seiner Rede zur Literatur mit Paradoxa, eines davon sei die Tatsache, dass er "diesem Wettbewerb einen wesentlichen Teil meiner Schriftstellerkarriere" zu verdanken habe.

30 Paradoxa zählte Schrott auf, so widerspreche das Reglement des von ihm als "Leistungsschau" bezeichneten Wettbewerbs all dem, was Geschriebenes erreichen wolle, nämlich "Momente gedankenvoller Überraschung". Als Teilnehmer am Wettbewerb sei er sich fehl am Platz vorgekommen, erinnerte sich der Autor, doch sei es die "Einweihung in den Literaturbetrieb" gewesen.

Die Frage zu stellen, "Wer ist besser: Bernhard oder Bachmann?", sei eine Absurdität. "Da von besser und schlechter, statt vom jeweils Anderen zu reden, und solche Rangordnungen sogar für wünschenswert zu erklären, das bringt nur eine Jury fertig." Die Schärfe seines Urteils milderte der Literat anschließend sofort mit dem Eingeständnis, sebst "oft genug in solchen Gremien" gesessen zu sein. Dabei habe er schnell gelernt, dass jede Arbeit am Text letztlich eine Scharade bleibe. Denn da werde eine Fachjury eingeladen, die aber nicht die handwerklichen Kriterien der Entstehung eines Textes bewerte, sondern subjektive Geschmacksurteile abgebe, wofür das Publikum weit eher berufen sei.

In den vergangenen zehn Jahren habe sich in Klagenfurt vieles grundlegend verändert, konstatierte Schrott. So würden die Wertungen "überlegter und inzwischen auch mit einem gewissen Maß an Höflichkeit" ausgesprochen. Allerdings sei die Breitenwirkung des Wettbewerbs "im selben Maß gesunken wie das Niveau der Texte". Im Vergleich zu den ersten Gewinnern, Schrott verwies auf Gert Jonke oder Ulrich Plenzdorf, "gehört der letztjährige Siegertext eigentlich eher in eine Schülerzeitung".

Übertragungen bis Sonntag

Die Preisverleihung findet am Sonntag ab 11.00 Uhr statt, die Lesungen sowie die Diskussionen der Jury unter dem Vorsitz von Iris Radisch werden live in 3sat übertragen. Die Dotation des Ingeborg-Bachmann-Preises wurde in diesem Jahr auf 25.000 Euro aufgestockt, dazu gibt es vier weitere Preise, einen davon vergibt das Publikum. (APA)

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    Raoul Schrott

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