Falls Betäubung fehlschlägt soll "Bruno" erlegt werden
München - Nachdem Braunbär "JJ1" ("Bruno") seinen
Verfolger erneut entwischt, hat Bayern Mittwoch Abend den Abschuss
erleichtert.
Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks (BR) hatten die
finnischen Bärenjäger das Tier am Mittwoch am Rande einer Klamm in
der Nähe des Achensees in Tirol aufgespürt und mit ihren Hunden
gestellt. Bei dem Team war auch ein Tierarzt mit Betäubungsgewehr.
"Bruno" sei jedoch entkommen, bestätigte die Pressesprecherin von
WWF-Österreich, Susanne Grof, auf Anfrage.
Bayern hat den Jägern inzwischen eine Abschussgenehmigung erteilt,
falls die Betäubung fehlschlägt.
Der Bär soll dann erlegt werden, kündigte Umweltminister Werner
Schnappauf (CSU) am Mittwoch in einem dpa-Gespräch an. "Das erste
Stellen des Bären soll von Erfolg gekrönt sein." Priorität sei
weiter, das Tier zu betäuben, sagte Schnappauf. Das Risiko, dass
Menschen zu Tode kommen, sei in den vergangenen Tagen für jedermann
offenkundig geworden, betonte der Minister. "Bayern setzt alles
daran, den Bären schnellstmöglich aus der freien Wildbahn zu
entfernen." "Bruno" war zuvor mitten durch die oberbayerischen
Ferienorte Kochel und Kreuth gelaufen.
"Unfallrisiko steigt mit jedem Auftritt des Bären"
"Das Unfallrisiko steigt mit jedem Auftritt des Bären, weil er
merkt, dass er in den Siedlungsräumen Honig bekommt, Hühner, Schafe
und Ziegen - die Schlachtplatte ist angerichtet", sagte Schnappauf.
Für die Suche nach "Bruno" stehe auch ein Polizeihubschrauber mit
Wärmebildkamera bereit. Der Einsatz sei aber nur sinnvoll, wenn es
eine konkrete Spur gebe. Der Bär lege große Strecken zurück, so dass
andernfalls hunderte Quadratkilometer abgesucht werden müssten. Den
Vorschlag eines Tiertrainers, den erst zwei Jahre alten "Bruno" mit
einer Bärin zu locken, lehnte das Ministerium als zwecklos ab. Der
Bär sei noch nicht geschlechtsreif.
Die fünf Finnen und ein Wiener Tierarzt mit Narkosegewehr jagen
dem Bären aus dem italienischen Trentino seit eineinhalb Wochen
hinterher. Ihr Vertrag läuft noch bis zum Wochenende. Ein Teil des
finnischen Teams wird an diesem Freitag abreisen. Zwei Bärenjäger mit
drei Hunden werden noch bis zum Montag bleiben. Sollte "Bruno" bis
dahin nicht gefangen oder getötet sein, werde die allgemeine
Abschussgenehmigung in Bayern wieder in Kraft gesetzt, sagte
Schnappauf. Einzelheiten dazu würden erarbeitet.
Nach Angaben von Ministeriumssprecher Roland Eichhorn erschwert
auch das hochalpine Gelände die Verfolgung. Die Hunde hätten teils in
50 Grad steilem, von Geröll übersätem Gebiet die Spur des Bären
gesucht. Der Bär mit dem offiziellen Namen "JJ1" habe sich als "sehr
gelängegängig" erwiesen. Ein Schneefeld, für das ein Wanderer
zweieinhalb Stunden brauche, habe der Bär, von seinen Verfolgern per
Fernrohr beobachtet, in einer halben Stunde überquert. (APA/dpa)