Ein Modespaziergang

27. Juni 2006, 12:57
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Antwerpen ist eine einzige Modeschau - Noch bis 13. August zu sehen: die Yohji-Yamamoto-Ausstellung im Modemuseum

Antwerpen ist eine einzige Modeschau. Ein kleines Paris, nur dass hier nicht die französischen und italienischen Megabrands ihre Flagship-Stores haben, sondern die belgischen Lokalmatadore. Und von denen gibt es viele, manche mit Modepalästen (Dries van Noten), andere mit versteckten Kojen (Martin Margiela). Wieder andere haben sich ihre kleinen, ganz persönlichen Reiche geschaffen, Walter van Beirendonck etwa, der in seinem Konzeptladen "Walter" Eigenes und die Kollektionen seiner Designerfreunde verkauft. Lebenspartner Dirk van Saene hängt hier, Bernhard Willhelm, aber auch der Österreicher Peter Pilotto, der sich mit seinen trachtigen Zigeuneroutfits in kürzester Zeit bereits einen Namen gemacht hat.

Österreich hat in der Modehauptstadt Antwerpen sowieso einen guten Ruf. Nicht nur, dass nach Raf Simons jetzt mit Veronique Branquinho (ihr Laden ist unweit von jenem der Altmeisterin Ann Demeulemeester) schon die zweite belgische Designerin an der Wiener Angewandten eine Professur innehat, Österreich ist auch in Antwerpen gut vertreten. Zwei Jahre nach Pilotto hat jetzt gerade die Vorarlbergerin Karin Schönenberger an der Modeklasse der Königlichen Hogeschool, eine der weltweiten Mode-Kaderschmieden, ihr Diplom gemacht.

Pflichttermin: die Yamamoto-Ausstellung

Sie zeigte ihre Spitzen-Kreationen bei der letztwöchigen Abschlussshow der Schule im Hangar 29, einem der weltweit wichtigsten Mode-Events für angehende Designer, bei dem die Scouts selbst aus Japan anreisen. Pflichttermin für diese ist derzeit sicher auch die große Yohji-Yamamoto-Ausstellung im Modemuseum (noch bis 13. August), einem vor vier Jahren errichteten imposanten Bau in der Nationalestraat, der auch das Flandern Fashion Institute beherbergt.

Eine Huldigung mit besonderem Servicecharakter: Etwa zwanzig der ausgestellten Kleider kann man nämlich auch gleich selbst anprobieren - und so dem genialen japanischen Modedesigner am eigenen Leib huldigen. Überhaupt ist diese Schau sehr besucherfreundlich gestaltet: ein Parcours durch das Werk Yamamotos, der seit seiner legendären Pariser Schau im Winter 1981/82 die Mode beeinflusste wie sonst wohl nur Rei Kawakubo von Comme des Gar¸cons.

Sie ist die Schutzpatronin vieler jüngerer Antwerpener Modedesigner, von A. F. Vandevorst über Haider Ackermann bis zum Deutschen Christoph Broich, der dieser Tage übrigens seinen Laden in der Steenhouwersvest auflässt. In Zukunft will er sich verstärkt der Kunst widmen. Sie hat in Antwerpen ja bekanntlich ein besonderes Naheverhältnis zur Mode.
(hil/Der Standard/rondo/23/06/2006)

  • Bis 13. August noch in Antwerpen zu sehen: Kreationen von Yamamoto
    foto: momu

    Bis 13. August noch in Antwerpen zu sehen: Kreationen von Yamamoto

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