Ein bisschen weniger Natura 2000

22. Juni 2006, 20:54
posten

Ausweisung weiterer Natura-2000-Flächen im Lauteracher Ried ist umstritten - Platz für die S18, vermuten Straßengegner

Bregenz - "400 Hektar sind 400 Hektar, nicht 317", rechnet Bernd Bösch, Wirtschaftssprecher der Grünen. Naturschutzanwältin Katharina Lins addiert 350 und 64 Hektar, "das sind mehr als 400 Hektar". Die Landesregierung bleibt stur bei 317. "Wie diese Summe zustande kommt, weiß keiner", sagt Katharina Lins. Worum es bei den Zahlenspielen geht? Um die Ausweisung zusätzlicher Natura-2000-Flächen im Lauteracher Ried, zu der die Republik und Vorarlberg vom Europäischen Gerichtshof verpflichtet wurden.

Erich Schwärzler, VP-Umwelt- und Landwirtschaftslandesrat rechnet zugunsten der Bauern. Katharina Lins rechnet für den Wachtelkönig und andere Brutvögel. Die Grünen sprechen von "Poker"und vermuten Strategien der Landesregierung, die geplante S18 doch noch irgendwie im Natura-2000-Gebiet unterbringen zu können. Um eine neue Klage abzuwenden, fordern sie "Ausweisung aller Flächen, die von der Wissenschaft als schützenswert erkannt wurden". Mit dem Vorschlag werde die Landesregierung nicht durchkommen, glaubt die Naturschutzanwältin: "Die EU-Kommission wird das prüfen und dann werden sie wieder nachnominieren müssen."

Im Verkehrsministerium wartet man auf Entscheide der österreichischen Höchstgerichte. 14 Beschwerden gegen Trassenverordnung und Naturschutzbescheid sind anhängig. "Nach Vorliegen des Erkenntnisses wird die Planung aktualisiert", teilte Verkehrsminister Hubert Gorbach (BZÖ) auf Anfrage von Sabine Mandak (Grüne) mit. Man werde versuchen, "die Anforderungen des nunmehr größeren Natura-2000-Gebietes mit der S18 abzustimmen". Für Postner heißt das im Klartext: "Das Natura-2000-Gebiet soll gleich wieder durch eine Straße durchtrennt werden."

Für Empörung sorgt bei den S18-Gegnern auch die jüngste Kostenangabe von Gorbach. 420,7 Mio. Euro, die Finanzierungskosten mitgerechnet, eine Milliarde, soll der Bau der Verbindung zwischen A14 und Schweizer Autobahn kosten. Das ist das Vierfache des im Generalverkehrsplan 2002 ausgewiesenen Betrages. (Jutta Berger, DER STANDARD - Printausgabe, 22. Juni 2006)

Share if you care.