Sarkozy klagt "Le Matin"

10. Juli 2006, 13:53
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In Frankreich beginnt am Donnerstag ein Gerichtsprozess, den der Innenminister anstrengte, weil das Blatt seine Ehekrise thematisierte

Die Schweizer Zeitung sprach aus, was in Paris ohnehin alle wussten: Im Haus des Präsidentschaftskandidaten hängt der Ehesegen schief.


Cécilia und Nicolas: Die Pariser Medien nennen das Ehepaar Sarkozy längst nur noch beim Vornamen, und ganz Frankreich verfolgt seit Monaten das Auf und Ab der turbulenten Zweier- und manchmal auch Dreier- oder Vierer-Beziehung. Der Grund ist nicht nur die übliche Neugier für Prominentenschicksale, sondern handfeste Politik.

Sarkozy bleibt in den Umfragen der Kronfavorit für die Präsidentschaftswahlen 2007, und die Franzosen wollen natürlich wissen, wer ihre zukünftige First Lady sein könnte. Zudem wirkte Cécilia neben ihrem Gatten als Beraterin im Innenministerium und der Partei UMP.

In den vergangenen Jahren hatten die Sarkozys bereitwillig die Türen ihres Haushaltes geöffnet; immer wieder ließen sie sich in Paris-Matchoder anderen Klatschblättern beim Kochen oder beim trauten Zusammensein ablichten.

Das änderte sich schlagartig vor Jahresfrist, als Gerüchte kursierten, der Haussegen hänge nicht mehr völlig gerade. Die Medien ergingen sich nur in vagen Andeutungen - zuerst über die ehelichen "Absenzen"von Madame Sarkozy, dann über ein entsprechendes Verhalten von Monsieur. Selbst die seriösen Tageszeitungen griffen das Thema auf, zumal Cécilia Sarkozy ihre bedeutenden Funktionen im Ministerium und der Partei nicht mehr auszuüben schien. Aber so ganz deutlich wurden die französischen Zeitungen nie, auch wenn die Franzosen längst Bescheid wussten.

Vor etwa einem Jahr brach der Westschweizer Le Matindas Schweigen: Das Boulevardblatt berichtete unumwunden, Cécilia Sarkozy habe ihren Mann verlassen, ziehe mit einem - namentlich genannten - Werbefachmann zusammen und reiche die Scheidung ein, während ihr Gatte seine Freizeit seinerseits mit einer Journalistin des Figaroteile.

Minister klagt

Nun sprachen auch die Pariser Blätter Klartext. Ein Pariser Boulevard-Blatt nannte sogar den Namen von Sarkozys neuer Mätresse. Bis der Innen- und Polizeiminister zum Gegenschlag ausholte. Denn er fürchtete immer mehr, dass ihm der Ruf eines verlassenen Ehemannes auch politisch schaden könnte, und klagte Le Matinwegen Verletzung der Privatsphäre.

Sarkozy gelangte dabei aber nicht wie üblich an den redaktionellen Rechtssitz in der Schweizer Stadt Lausanne. Er rief auf der französischen Seite des Genfer Sees das Gericht von Thonon-les-Bains an, wo Le Matintäglich einige Exemplare verkauft. Das war natürlich nur ein Vorwand: Sarkozy weiß genau, dass französische Richter sogar den Superprominenten im Land einen viel größeren Privatschutz gewähren, als dies etwa bei einem ausländischen Gericht der Fall wäre.

Als Wiedergutmachung verlangt Sarkozy einen symbolischen Euro. Ihm gehe es nicht ums Geld, sondern um die Privatsphäre, meinen seinen Anwälte. Dass sich Sarkozy auf nicht französische Medien einschießt, hat einen anderen Grund: Auf sie hat er weniger Einfluss als auf die Pariser Journalisten. (DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2006)

Von Stefan Brändle aus Paris
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    Bei den Wahlen 2002 waren sie noch untrennbar (li.): Nicolas und Cécilia Sarkozy, die von ihrem Mann mit einem Job im Innenministerium bedacht wurde. Pariser Klatschblätter zeigten Cécilia mit einem Geliebten.

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